Pressemitteilung der KEG Bayern vom 09.09.2021

Jede Idee ist nur so gut wie die Umsetzung

Die KEG Bayern begrüßt das Recht auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen, bezweifelt aber die qualitativ erfolgreiche Umsetzung angesichts des Lehrkräfte– und Erziehermangels.

Der Deutsche Bundestag hat am 07. September 2021 dem Kompromiss zum Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule zugestimmt. Jedes Kind, das in Deutschland ab dem Schuljahr 2026/2027 eingeschult wird, soll in den ersten vier Schuljahren Anspruch auf einen Ganztagsplatz haben. Nach dem Bundestag muss noch der Bundesrat dem Vermittlungsergebnis zustimmen. Aus pädagogischen Gründen ist dieses Angebot ein wichtiger Meilenstein, insbesondere für Kinder, die mehr schulische Förderung und soziale Bindung brauchen. Die KEG Bayern begrüßt daher dieses Gesetz, das folgerichtig von den Bundesländern unterschiedlich umgesetzt wird.

Denn in Bayern sind bereits 55% aller Kinder von 6-10 Jahren in einer Ganztagsbetreuung, wobei nur 18,1% der bayerischen Schulen dieses Angebot anbieten (gebundener Ganztag). Der Hintergrund ist, dass der Freistaat Bayern bei der Umsetzung des Gesetzes auf drei Säulen (aus gebundenem Ganztag, offenem Ganztag und Mittagsbetreuung) setzt, die jeweils gleich in Anspruch genommen werden sollen. Die bayerische Staatsministerin Carolina Trautner schätzt, dass bis 2026 80% aller bayerischen Schulkinder in einer Ganztagsbetreuung sein werden. Ein nicht unerheblicher Personalbedarf ist die Folge. Doch woher soll dieser kommen?

Allen Prognosen zur Folge soll sich zwar der Lehrermangel an bayerischen Grundschulen ab 2026 verbessern, allerdings stellt sich weiterhin die Frage, mit welchem Personal diese zusätzliche Betreuung in einer guten Qualität sichergestellt und organsiert werden kann. Denn die Betreuung muss Montag bis Freitag (bis auf 4 Wochen auch in den Ferien) mindestens acht Stunden täglich gewährleistet werden. Auch wird dieses Angebot ab 2026 jedes Jahr um eine zusätzliche weitere Jahrgangsstufe erweitert, sodass 2029 alle Grundschulkinder Bayerns ein Recht auf einen Ganztagsplatz haben. Man muss zusätzlich beachten, dass bayerische Grundschullehrer ab 2026 eine Stunde pro Woche weniger arbeiten, da das Arbeitszeitkonto zurückgegeben wird. Auch müssen Möglichkeiten für die Anrechnung der Organisation des zusätzlichen gebundenen Ganztags für Schulleiter geschaffen werden, was aktuell nicht vorgesehen ist.

Die Möglichkeit, Erzieherinnen und Erzieher für diese Aufgabe an die Grundschulen zu holen (offener Ganztag), bedeutet für die Kitas hingegen eine eklatante Verschärfung des dort bestehenden Personalmangels. Denn laut der Bertelsmann Studie fehlen bereits beim derzeitigen Stand 46.000 Erzieherinnen und Erzieher in Bayern. Dieser bestehende Fachkräftemangel stellt bereits eine Mammutaufgabe dar und darf durch solche Ideen nicht verschärft werden.

Die neue Berufsform „Fachkraft für Grundschulkindbetreuung“, die für dieses Gesetzt geschaffen wurde, ist ein Weg, aber wird keine ausreichende Lösung sein.

Wir fordern daher die Regierung auf, sich schnellstmöglich mit allen Beteiligten zusammenzusetzen, um gemeinsam Lösungen für eine pädagogisch sinnvolle und praktikable Umsetzung des Ganztagsförderungsgesetz zu entwickeln. Denn eine Idee ist immer nur so gut wie die Umsetzung. Nun heißt es zu handeln.

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