Studien der Bertelsmann Stiftung und der OECD zeigen Handlungsbedarf

Grundschulen müssen entlastet werden

Laut einer am 31. Januar veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung wird sich die bereits spürbare Personalnot an Grundschulen in den kommenden Jahren weiter zuspitzen. Die KEG appelliert deshalb an die Verantwortlichen, flexible Lösungen gegen den Lehrermangel umzusetzen. Die Qualität des Unterrichts dürfe dabei allerdings nicht auf der Strecke bleiben. Denn eine ebenfalls aktuelle Studie der OECD beweist: ein positives Schulklima sowie passende Ganztagsangebote helfen auch sozial schwachen Schülern, langfristig bessere Leistungen zu erbringen.

Die Studie der Bertelsmann Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass der starke Anstieg der Schülerzahlen besonders in den Jahren 2021 bis 2025 zusätzliches Personal an Grundschulen erfordern wird. An den Universitäten würden gerade genug Lehrkräfte ausgebildet, um jene zu ersetzen, die alters- und gesundheitsbedingt aus dem Schuldienst aussteigen. Im genannten Zeitraum stünde somit 70.000 regulär ausgebildeten Absolventen ein Bedarf von knapp 105.000 Grundschullehrern gegenüber, wenn man die steigenden Schülerzahlen sowie den Ausbau der Ganztagsschulen mit einkalkuliere. Somit fehlten den Grundschulen besonders im o.g. Zeitraum rund 35.000 Lehrkräfte.

Zusammen mit der Bertelsmann Stiftung appelliert die KEG daher an die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft, kurzfristige und flexible Lösungen zu finden, ohne dabei allerdings die Qualität des Unterrichts einreißen zu lassen. Dabei sieht KEG-Landesvorsitzende Ursula Lay besonders in der Aufstockung von Teilzeit-Lehrerstellen einen realistischen und nachhaltigen Lösungsansatz. Diese machten momentan fast 40% der Grundschullehrerstellen aus. Voraussetzung für deren Aufstockung seien allerdings verlässliche Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder von Lehrkräften. Weniger Hoffnungen macht Lay sich dagegen im Hinblick auf die Wiedereinstellung von Pensionären, von denen sich vermutlich nur ein sehr kleiner Teil bereit erklären würde, aus dem Ruhestand zurückzukehren. Die von der Stiftung vorgeschlagene Lösung, Seiteneinsteiger mit einem Fach-Studium an Schulen einzustellen, sieht Lay eher kritisch. Hier fehle oftmals die pädagogische Ausbildung, deshalb müssten Seiteneinsteiger, wenn überhaupt, sehr sorgfältig ausgewählt, qualifiziert und begleitet werden.

Lay verweist dabei auf die ebenfalls kürzlich erschienene Studie der OECD, die zeigt, dass sozial benachteiligte Schüler in Deutschland zunehmend bessere Leistungen erbringen, und zwar vor allem dann, wenn das Schulklima insgesamt positiv sei und unterschiedliche Ganztagsangebote beinhalte. Auch der gemeinsame Unterricht in heterogenen Klassen wirke sich positiv auf die Leistung sozial benachteiligter Schüler aus, ohne dass die Leistung der anderen abfallen würde. Diese Tatsachen sprächen dafür, an den Qualitätsansprüchen in Bezug auf die Lehrkräfte an Grund- und Mittelschulen festzuhalten, so Lay. Wichtig seien außerdem Investitionen, um die individuelle Förderung unterschiedlicher Schüler weiterhin vorantreiben und ausbauen zu können.

Lay appelliert zugleich an das Kultusministerium, dem Schweinezyklus der Lehrerausbildung entgegen zu wirken. Es könne nicht sein, dass an Grundschulen händeringend Lehrkräfte gesucht würden, während Absolventen der Zweige Gymnasial- und Realschullehramt aufgrund von Lehrerüberschuss keinen Arbeitsplatz fänden. Es müssten dringend bessere Arbeitsbedingungen für Grund- und Mitteschullehrer geschaffen werden und dringend auch besoldungs-rechtliche Überlegungen angestellt werden. Generell müsse das Image der Grund- und Mittelschulen verbessert werden. Letzteres sei auch im Hinblick auf die OECD-Studie wichtig, denn nur so könnten auch gute Schüler an der Mittelschule gehalten werden, die „Schwächere“ mitziehen und ihnen helfen. Hier müssten auch die guten arbeitsmarktpolitischen Perspektiven nach Abschluss der Mittelschule sowie die Vorteile der dualen Ausbildung aufgezeigt werden.

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