Zurück zur Liste
11.12.2025

Bayerns Bildungspolitik – ein System am Limit. Zeit, endlich ehrlich hinzusehen.

Der KEG Landesvorsitzende Martin Goppel hat sich mit den Abgeordneten Michael Koller, Dr. Martin Brunnhuber sowie dem FW Fraktionsvorsitzenden Florian Streibl getroffen, um die Lage der bayerischen Schulen ungeschönt zu analysieren. Selten war ein solches Gespräch nötiger als jetzt.

Goppel sprach von einer „schweren Ehe“ innerhalb der Koalition. Obwohl FW Ministerin Anna Stolz sichtbar und mit großem Engagement für Bayerns Bildung kämpft, werden viele politische Entscheidungen weiterhin gegen die Lehrkräftefamilie und gegen die Bedürfnisse der Kinder getroffen. Dieser Widerspruch zieht sich durch nahezu alle Schularten mit teils dramatischen Folgen.

Ein KEG Mitglied brachte es im Gespräch drastisch und eindringlich auf den Punkt. Die aktuelle Bildungspolitik fühle sich an wie ein massiver Schaden für die Zukunft unserer Kinder. Diese Warnung mag hart klingen, doch wer tagtäglich in Schulen arbeitet, weiß, dass dies kein Alarmismus, sondern Realität ist.

Die vergessene Stärke der Mittelschulen

Besonders kritisch diskutiert wurde die Lage der Mittelschulen. Diese Schulart leistet Großartiges, praxisnah, lebensnah und leistungsstark. Dennoch wird sie politisch oft wie ein Randthema behandelt. Zu wenig Ressourcen, zu wenig Personal, zu wenig Anerkennung.

Während vielerorts über den Fachkräftemangel geklagt wird, wird ausgerechnet jene Schulart, die Handwerk und berufliche Ausbildung trägt, seit Jahren strukturell unterfinanziert. Das ist nicht nur unfair, sondern kurzsichtig und schadet Bayern langfristig massiv.

Sprachtests dringend reformbedürftig und nur mit echten Förderangeboten sinnvoll

Die aktuellen Sprachstanderhebungen und Vorkurse setzen Schulen unter enormen Druck, liefern jedoch nicht immer die Ergebnisse, die Familien und Kollegien benötigen. Hier ist das Kultusministerium gefordert.

Der Erfolg steht und fällt mit der Zusammenarbeit aller beteiligten Ministerien und mit ausreichenden Förderangeboten. Es kann nicht sein, dass wichtige Vorkurse von Personal ohne entsprechende Fachqualifikation durchgeführt werden müssen, nur weil auch hier der Personalmangel regiert.

Wir brauchen Tests, die wirklich fördern und nicht solche, die lediglich verwalten.

Kita Notstand und niemand übernimmt Verantwortung

Auch die Kitas stehen vor einem drohenden Systemkollaps. Fachkräftemangel, steigender Qualitätsdruck und wachsende Anforderungen prägen den Alltag. Familien spüren das täglich, Einrichtungen ebenso und die Schulen später auch, weil sie die Folgen im Unterricht auffangen müssen.

Solange die Politik hier nur an Symptomen herumdoktert, wird sich nichts ändern. Bayern braucht endlich eine echte Kita Strategie und nicht nur neue Überschriften.

Recht auf Ganztag eine gute Idee die gerade auf dem Rücken der Lehrkräfte scheitert

Das Recht auf Ganztag ist grundsätzlich ein Meilenstein. Doch wie so oft fehlt der entscheidende zweite Schritt. Ausreichendes Personal, verlässliche Finanzierung und klare Qualitätsstandards.

Lehrkräfte können und dürfen diesen massiven Ausbau nicht zusätzlich schultern. Pädagogische Qualität gibt es nicht zum Nulltarif und Ganztag ist keine Nebenaufgabe, die man irgendwie mitmacht. Wer Ganztag will, muss ihn auch vollständig finanzieren und Kommunen sowie Ehrenamt stärken, statt Verantwortung an Schulämter und Lehrkräfte abzuwälzen.

Grundschulen Belastung am Limit

Die Grundschule ist längst zum Brennpunkt geworden. Steigende Heterogenität, hoher Sprachförderbedarf, wachsende sozialpädagogische Aufgaben, Digitalisierung und Inklusion und das alles ohne ausreichend Personal oder Zeit.

Die politischen Erwartungen steigen stetig, doch die Rahmenbedingungen bleiben unverändert. So kann gute Bildung nicht gelingen.

Mehr als Einzelmaßnahmen Bayern braucht endlich eine echte Systemreform

Martin Goppel machte im Gespräch deutlich. Ohne eine realistische Arbeitszeiterfassung wird es keine ehrliche Bildungspolitik geben. Wer immer mehr fordert, muss zunächst wissen, was tatsächlich geleistet wird.

Der ehemalige Fachlehrer und Personalrat Michael Koller griff diesen Impuls konstruktiv auf. Gemeinsam mit Goppel diskutierte er erste praktikable Ideen für eine einfache, transparente und fälschungssichere Erfassung. Genau solche Ansätze braucht Bayern. Praxisnah statt politisch geschönt.

Unverrückbar Bildung braucht Freiheit und klare Regeln für alle

Lehrkräfte verdienen die Freiheit, Bildung verantwortungsvoll zu gestalten. Doch Freiheit funktioniert nur, wenn sich alle an die gemeinsam gesetzten Regeln halten. Lehrkräfte, Schulleitungen, Ministerien und auch Abgeordnete.

Wer fordert, muss liefern.
Wer reformieren will, muss zuhören.
Und wer Bildung ernst meint, muss sie endlich zur Priorität machen. Nicht nur in Worten, sondern im Handeln.