
Foto: Schulleiterin Melanie Heigl-Birk und Martin Goppel
Ein Ort der Hoffnung – Lernen mit Herz, Verstand und Haltung
Auf Einladung von KEG-Mitglied und Schulleiterin Melanie Heigl-Birk besuchte der Landesvorsitzende der KEG, Martin Goppel, die Bischof Manfred Müller Schule (BiMaMü) in Regensburg. Was ihn dort erwartete, war weit mehr als ein Schulbesuch – es war die Begegnung mit einem Lern- und Lebensraum, der Hoffnung schenkt und Zukunft gestaltet. Dank eines unglaublichen Kollegiums.
Die BiMaMü ist eine Katholische Freie Grund- und Mittelschule der Schulstiftung der Diözese Regensburg. Ihr pädagogisches Fundament bildet der Marchtaler Plan, ein Bildungs- und Erziehungsplan, der ursprünglich für katholische Schulen der Diözese Rottenburg-Stuttgart entwickelt wurde und seinen Ursprung im Kloster Obermarchtal hat. Inhaltlich basiert er auf den bayerischen Lehrplänen – und geht zugleich weit darüber hinaus.
Lernen vernetzt – Glauben selbstverständlich integriert
Wer einen klassischen Stundenplan sucht, wird überrascht sein: Ein eigenes Fach „Religion“ findet sich dort nicht. Und doch ist religiöse Bildung allgegenwärtig. Im Vernetzten Unterricht wird das Fach Katholische Religionslehre nicht isoliert, sondern selbstverständlich in thematische Zusammenhänge eingebettet. Der Klassenlehrer ist zugleich Religionslehrer. Unterricht bedeutet hier, von den Dingen her zu denken und zu fragen, was es braucht, um eine größere Wirklichkeit zu verstehen – eine Wirklichkeit, zu der ethische und religiöse Dimensionen ganz natürlich dazugehören.
Der Morgenkreis – Woche für Woche Mensch werden
Jede Woche beginnt mit einem Morgenkreis. Lehrkräfte und Schüler/-innen begegnen sich hier ohne Leistungsdruck und auf Augenhöhe. Es ist ein Raum des Innehaltens: Zuhören, Stille aushalten, sich konzentrieren, eigene Gedanken, Gefühle und Gebete formulieren. Ein wertvoller Start, der stärkt und verbindet.
Freie Stillarbeit – Verantwortung für das eigene Lernen
Ein Herzstück des Marchtaler Plans ist die Freie Stillarbeit (FSA). Acht Schulstunden pro Woche lernen die Schüler/-innen in einer vorbereiteten Umgebung, ihr Lernen eigenverantwortlich zu planen und umzusetzen bereits ab der 1. Klasse. Unterstützt werden die Klassenlehrkräfte dabei von einer weiteren Lehrkraft.
Tages- und Wochenpläne geben Orientierung, doch die Verantwortung liegt bei den Kindern und Jugendlichen selbst. Sie entscheiden über
die Reihenfolge der Aufgaben,
ihr Lerntempo,
die Sozialform (allein, zu zweit oder in der Gruppe)
und ihren Arbeitsplatz.
Eine Atmosphäre der Stille und Konzentration trägt diese Lernform. Gruppenarbeit ist möglich – aber achtsam, im Flüsterton. In der Grundschule kommen dabei gezielt Materialien nach Maria Montessori zum Einsatz, aus den Bereichen „Tägliches Leben“, „Sprache“ und „Mathematik“.
Die Rolle der Lehrkräfte wandelt sich: Sie treten zurück, um Eigenaktivität zu ermöglichen, begleiten, ermutigen, beobachten und fördern individuell – die Schwächeren ebenso wie die besonders Leistungsfähigen.
Themen statt Fächer – Zusammenhänge statt Inselwissen
Im Vernetzten Unterricht werden Inhalte nicht nach Fächern getrennt, sondern thematisch erschlossen. Ziel ist es, Zusammenhänge zu erkennen und Wissen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Lernen wird zur Begegnung – mit sich selbst, mit anderen Menschen, mit den Dingen der Welt und mit Gott. In dieser ganzheitlichen Sicht liegt der Schlüssel für eine gute Zukunft.
In der Grundschule werden Religion, Deutsch sowie Heimat- und Sachunterricht miteinander verbunden. In der Mittelschule vernetzen sich Religion, Deutsch, GPG, Natur und Technik sowie – wo möglich – Wirtschaft und Beruf. Künstlerische Fächer wie Kunst, Musik sowie Werken und Gestalten oder Ernährung und Soziales eröffnen zusätzliche Zugänge. Am Ende jeder Einheit entsteht ein Themenbuch, das in der eigenen Schuldruckerei per Hand gedruckt und gefertigt wird – ein sichtbares Zeichen des gemeinsamen Lernwegs.
Schule als Lebensraum
Der Marchtaler Plan endet nicht mit dem Unterricht. Gemeinsames Mittagsessen, vielfältige Freizeitmöglichkeiten und erweiterte Lerngelegenheiten gehören selbstverständlich dazu. Deshalb wird die BiMaMu als Ganztagsschule geführt – als Ort, an dem Schule und Leben zusammengehören.
Der Mensch im Mittelpunkt
Und noch etwas fällt auf: Digitale Endgeräte oder Smartboards sucht man an der BiMaMu vergeblich. Nicht aus Rückständigkeit, sondern aus Überzeugung. Hier steht der Mensch mit all seinen Werten im Mittelpunkt. Beziehungen, Haltung, Verantwortung und Achtsamkeit prägen den Alltag – und bereiten junge Menschen auf eine Zukunft vor, die mehr braucht als Technik: Herz, Verstand und Orientierung. Die Bischof Manfred Müller Schule ist ein Ort, an dem Lernen Sinn stiftet. Ein Ort der Hoffnung. Und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Schule gelingen kann, wenn man will.
An der Bischof Manfred Müller Schule wird der Schöpfungsgedanke als gelebte Verantwortung verstanden: Die Achtung vor der Natur, vor dem Leben und vor dem Mitmenschen durchzieht den Schulalltag und ermutigt die Schüler/-innen, die Welt achtsam, dankbar und verantwortungsvoll mitzugestalten. So fasst eine Lehrerin diese Haltung so schön zusammen: Frieden und Freiheit haben eine große Schwester, ohne die nichts funktioniert: Verantwortung.
Ein besonderer Dank gilt Mandy Bergmann, Lin im Kirchendienst und der Klasse 3a, die dem KEG Vorsitzenden im Rahmen des Unterrichtsfachs „freie Stillarbeit“ das Schulprofil, das Engagement von Bischof Manfred Müller und den besonderen Unterricht näher brachten.