Landesvorsitzender, Martin Goppel besucht KEG Schulleiterin Ruth Kotzian in Augsburg
Mut und Aufbruch an der Grundschule Oberhausen-Mitte
Seit rund eineinhalb Jahren leitet Ruth Kotzian (KEG-Mitglied) die Grundschule Oberhausen-Mitte in Augsburg. Im Rahmen eines Schulbesuchs nahm sich Martin Goppel, Landesvorsitzender der KEG Bayern, Zeit, die Situation vor Ort kennenzulernen und das persönliche Gespräch mit der Schulleiterin zu suchen. Dabei wurde deutlich: In vergleichsweise kurzer Zeit hat Ruth Kotzian spürbare Impulse gesetzt und zeigt eindrucksvoll, wie engagierte und lösungsorientierte Führung gerade an einem herausfordernden Standort wirken kann.
Die Grundschule Oberhausen-Mitte steht als sogenannte Brennpunktschule vor vielfältigen sozialen und strukturellen Herausforderungen vor Ort. Statt sich davon bremsen zu lassen, nutzt die Schulleiterin diese Ausgangslage bewusst als Chance zur Weiterentwicklung. Der Begriff „Brennpunktschule“ wird dabei nicht nur als Beschreibung verstanden, sondern auch als Auftrag, gezielt Fördermöglichkeiten zu erschließen und innovative Wege zu gehen.
Rund 95 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben einen Migrationshintergrund. Unter dem Leitspruch „Kinder dieser Welt lernen fürs Leben“ lebt die Schulgemeinschaft ein wertschätzendes Miteinander, das Vielfalt als Stärke begreift. Unterschiedliche kulturelle Hintergründe sowie individuelle Begabungen und Unterstützungsbedarfe werden nicht als Hürde, sondern als Potenzial gesehen. Inklusion ist dabei gelebte Praxis: Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf lernen selbstverständlich gemeinsam mit allen anderen Kindern in den Klassen. So entsteht ein Lernumfeld, in dem gegenseitiges Verständnis, Zusammenhalt und gemeinsames Lernen im Mittelpunkt stehen. Aber natürlich steht und fällt dies mit dem Personal vor Ort. Das Stellenmoratorium für das kommenden Schuljahr trifft solche Schulen natürlich sehr.
Ein wichtiger Meilenstein war daher die erfolgreiche Aktivierung des Startchancenprogramms, das zusätzliche Unterstützung für Schülerinnen und Schüler sowie das Kollegium ermöglicht. Durch Mittel des Europäischen Sozialfonds wurden bereits vor einigen Jahren zwei zusätzliche Deutschklassen eingerichte,, die einen wertvollen Beitrag zur Sprachförderung leisten.
Auch im Bereich Bewegung und Gesundheit setzt die Schule starke Akzente. Als Partnerschule des FC Augsburg profitiert sie von der Initiative „FCA bewegt“, die seit dem Schuljahr 2023/24 umgesetzt wird. Ziel ist es, Freude an Bewegung zu fördern, soziale Kompetenzen zu stärken und körperliche Aktivität fest im Schulalltag zu verankern. Ein besonders innovativer Ansatz zeigt sich im Pilotprojekt „Ballschule trifft Leseinsel“: Hier wird Bewegungsförderung gezielt mit Leseförderung verknüpft. Durch den motivierenden Zugang über Sport entdecken die Kinder auch das Lesen neu – sie lesen im Team mehrere Bücher pro Jahr und präsentieren ihre Inhalte kreativ.
Neben pädagogischen Innovationen wurden auch strukturelle Projekte erfolgreich vorangetrieben. Der Aufbau einer eigenen Mittagsbetreuung stellte eine organisatorisch wie personell anspruchsvolle Aufgabe dar. Der Nachmittagsunterricht in insgesamt 10 Gebundenen Ganztagsklassen wurde auf neue Gleise gestellt: Mit großem Engagement des dortigen Kollegiums werden in sogn. AG-Schienen die klassischen Strukturen aufgelöst und die Kinder können in jahrgangs- und klassenübergreifenden Gruppen ihren Neigungen nachgehen. Ruth Kotzian ist es wichtig, dass ihr Kollegium nachmittags das Herz sprechen lässt und so den Kindern eine bestmögliche Zeit ermöglicht, wo die SuS ihre eigenen Talente und Bedürfnisse individuell ausleben können. Gleichzeitig legt Ruth Kotzian großen Wert auf die Entwicklung ihres Kollegiums. Ein junges Team zu motivieren, zu begleiten und langfristig zu stärken, gehört zu den zentralen Aufgaben ihrer täglichen Arbeit.
Der Besuch von Martin Goppel unterstrich die Bedeutung des direkten Austauschs zwischen Praxis und Verband. Im Gespräch im Lehrerzimmer wurde deutlich, wie wichtig gezielte Unterstützung, gute Vernetzung und praxisnahe Lösungen für Schulen in herausfordernden Lagen sind. Aber auch, wie wichtig der direkte Austausch mit dem Kollegium und den KEG Mitgliedern für die KEG ist. Nur so können wir die Themen der Praxis an die Politik und die Entscheidungsträger bringen.
Der Besuch an der Grundschule Oberhausen-Mitte zeigte eindrucksvoll: Schulentwicklung gelingt besonders dort, wo Führung mit Klarheit, Engagement und einem positiven, lösungsorientierten Blick verbunden wird. Vielen Dank an Ruth Kotzian für die Zeit und das sehr ehrliche und wertschätzende Gespräch.