
Foto: Martin Goppel, Bischof Rudolf Voderholzer (Bistum Regensburg) und Domkapitular Monsignore Martin Piller
Offener Austausch zur Situation von Bildung, Kirche und Gesellschaft in Bayern
Auf Einladung von Bischof Rudolf Voderholzer (Bistum Regensburg) durfte der KEG-Landesvorsitzende Martin Goppel im Gespräch mit Domkapitular Monsignore Martin Piller, Leiter der Abteilung Schule und Hochschule, sowie dem Bischof selbst über die aktuelle Situation an Bayerns Schulen, Kitas und der KEG referieren. Es war ein offenes, vertrauensvolles und zugleich konstruktives Gespräch, in dem aktuelle Herausforderungen, Chancen und die Rolle der Kirche in der Gesellschaft im Mittelpunkt standen.
Ein wichtiger Teil des Austauschs war die Diskussion über das Papier der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) „Geschaffen, erlöst und geliebt. Sichtbarkeit und Anerkennung der Vielfalt sexueller Identitäten in der Schule“. Dabei brachte Bischof Voderholzer – in klarer Übereinstimmung mit der nachdrücklichen Analyse von Bischof Stefan Oster (Bistum Passau) – seine kritische Haltung gegenüber diesem Text zum Ausdruck: Er betonte, dass er sich in aller Form von den inhaltlichen Voraussetzungen sowie dem theologischen, philosophischen, pädagogischen und entwicklungspsychologischen Gehalt des Papiers distanziert und der Text trotz des Aufdrucks „Die deutschen Bischöfe“ nicht in seinem Namen spreche.
Voderholzer kritisierte außerdem den Veröffentlichungsprozess selbst: Obwohl im Ständigen Rat Veränderungen am Entwurf gefordert worden seien, sei das Papier nahezu unverändert „in unserem Namen“ publiziert worden. Er warnte davor, dass „eine politische Agenda durchgezogen“ werde, ohne ausreichend in der Tiefe um die kirchliche Lehre und das biblisch-christliche Menschenbild zu ringen. Gerade deshalb war es dem Bischof wichtig, dem KEG-Vorsitzenden seine Sicht zu erläutern. Diese differenzierte Kritik macht deutlich: Es geht nicht um Ausgrenzung, sondern um eine fundierte theologische und anthropologische Einordnung dessen, was in pädagogischen Orientierungshilfen vermittelt wird – gerade an jungen Menschen, die Orientierung suchen und dringend Halt und Begleitung brauchen.
In diesem Zusammenhang machte Bischof Voderholzer ausdrücklich klar, wie wichtig es sei, Haltung zu zeigen – in Worten und in Taten, gerade in Zeiten tiefgreifender gesellschaftlicher und kultureller Veränderungen, und sich eben nicht dem Mainstream anzupassen.
Gerade aus entwicklungspsychologischer und anthropologischer Perspektive wird deutlich, warum Bischof Voderholzer vor verkürzten oder ideologisch aufgeladenen Darstellungen menschlicher Sexualität warnt. So zeigen wissenschaftliche Erkenntnisse seit Jahrzehnten, dass rund 85 % der Frauen überwiegend extern – also klitoral – empfindsam sind und Sexualität bei Frauen wesentlich stärker beziehungs-, kontext- und entwicklungsabhängig ist, als sie rein körperlich oder identitätsbezogen verstanden werden kann. Diese Tatsache unterstreicht, dass menschliche Sexualität nicht losgelöst von Leib, Psyche, Reifeprozessen und personaler Beziehung betrachtet werden darf.
Wenn pädagogische Leitlinien diese komplexen Zusammenhänge verkürzen oder primär über Identitätskategorien sprechen, besteht die Gefahr, junge Menschen zu verunsichern, statt ihnen Halt zu geben. Genau hier setzt die Kritik von Bischof Voderholzer an: Er mahnt an, dass biologische, psychologische und theologische Erkenntnisse zusammengehören und nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen.
Für die KEG bedeutet dies, sich bewusst an die Seite einer Pädagogik zu stellen, die den Menschen in seiner Ganzheit ernst nimmt und Kinder sowie Jugendliche vor vorschnellen Festlegungen schützt.
Er hob hervor, dass die Arbeit der Katholischen Erziehungsgemeinschaft (KEG) dabei weit über Tarifverhandlungen und Standespolitik hinausgeht: Das „K“ steht für Hoffnung, Zuversicht und Gottvertrauen – Werte, die durch gelebte Gemeinschaft, mutige Gesprächsbereitschaft und nachhaltiges Engagement mit Leben gefüllt und mit Taten bezeugt werden.
Diese wichtige Haltung der KEG ist gerade jetzt von großer Bedeutung:
Sie stärkt christliche Identität und Orientierung in einer Welt, in der viele Stimmen um Deutungshoheit ringen.
Sie hilft, jungem Leben Raum für ganzheitliche Entfaltung zu geben, ohne das biblisch-christliche Menschenbild preiszugeben.
Sie zeigt, dass geistliche Überzeugungen und gesellschaftliche Verantwortung sich nicht ausschließen, sondern einander befruchten können.
Im Gespräch wurde die Bedeutung der Schöpfung ebenso hervorgehoben wie die Verantwortung für ein respektvolles und achtsames Miteinander – gerade in einer Zeit, in der Digitalisierung und gesellschaftlicher Wandel neue Fragen und Herausforderungen aufwerfen. In diesem Kontext wurde auch die zentrale Rolle des katholischen Religionsunterrichts betont: Er vermittelt jungen Menschen grundlegende Werte wie Gerechtigkeit, Solidarität, Menschenwürde, Respekt vor dem Anderen und Verantwortungsbereitschaft, die nicht nur für das individuelle Leben wichtig sind, sondern für das Gelingen unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts. Durch die reflektierte Auseinandersetzung mit christlicher Tradition und ethischen Fragestellungen fördert der Religionsunterricht die Fähigkeit, eigene Standpunkte zu entwickeln, andere Perspektiven zu verstehen und in einem pluralen Umfeld dialogfähig zu sein – eine wichtige Grundlage für eine starke, demokratische Kultur.
Gerade in Zeiten tiefgreifender Veränderungen haben kirchliche Verbände und christlich-demokratische Parteien eine ganz besondere Aufgabe: Sie sind, neben den Kirchen selbst, maßgeblich daran beteiligt, die Demokratie zu wahren und das Christliche in ihrem Handeln lebendig werden zu lassen. Dabei geht es nicht darum, die eigene „DNA“ zu verherrlichen oder sich unreflektiert an einen Mainstream anzupassen, sondern christliche Werte klar zu leben und Orientierung zu geben – als ein Kompass für ethisches und gemeinschaftliches Handeln in einer offenen Gesellschaft. In einer Zeit, in der demokratische Werte und soziale Kohäsion keine Selbstverständlichkeiten mehr sind, leisten diese Akteurinnen und Akteure einen unverzichtbaren Beitrag zur Wertebildung, zum gesellschaftlichen Diskurs und zur Stärkung des demokratischen Zusammenhalts.
Trotz der aktuellen weltpolitischen Entwicklungen waren sich alle Gesprächsteilnehmer einig, den Blick hoffnungsvoll nach vorne zu richten. Denn es liegt an uns allen, unsere Zukunft mit Mut, Vertrauen und einer konstruktiven Haltung aktiv zu gestalten. Leitend ist dabei das Motto „Tue recht und scheue niemanden“, das Martin Goppel von seinem Großvater mit auf den Weg bekommen hat – eine Haltung, die heute das Wirken der KEG sehr prägt. Für den offenen Austausch und die gemeinsamen Impulse wurde große Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht.