KEG Bayern fordert Kurswechsel in der Bildungspolitik
„An Schulen darf nicht für die schwarze Null gespart werden“
Die KEG Bayern fordert mutige Entscheidungen in der Bildungspolitik des Freistaats. Wertschätzung und Respekt gegenüber Lehrkräften sind keine wohlklingenden Schlagworte, sondern zentrale Voraussetzungen für gute Bildung, gesellschaftliche Stabilität und eine starke Demokratie.
„Wer sagt, er nehme Bildung ernst, muss liefern“, betont KEG-Chef Martin Goppel. „Ankündigungen reichen nicht mehr. Es braucht endlich konkrete Reformen – in der Lehrerbildung, an unseren Grundschulen, an der Mittelschule, in der Kita und im Ganztag – sowie eine zeit- und inhaltsgleiche Umsetzung der TV-L-Ergebnisse in Bayern zum 01.04.2026 – jetzt.“
Goppel stellt zugleich klar:
„Lehrkräfte brauchen angemessene Arbeitsbedingungen und gesellschaftliche Anerkennung – und unsere Kinder erst recht. Bildung darf nicht dem Diktat einer schwarzen Null geopfert werden. Wer an Schulen spart, spart letztlich an der Zukunft unserer Kinder und unserer Gesellschaft.“
Gute Arbeitsbedingungen sichern Bildungsqualität – von Anfang an
Zahlreiche Studien zeigen: Die Qualität eines Bildungssystems steht und fällt mit der Professionalität, Motivation und gesellschaftlichen Anerkennung seiner Lehrkräfte. Länder mit hoher Wertschätzung für den Lehrerberuf investieren konsequent in Ausbildung, Fortbildung und professionelle Autonomie. Das Ergebnis sind stabile Lernergebnisse und ein hohes Vertrauen in das Bildungssystem – und damit auch in die Politik.
In Bayern hingegen erleben viele Lehrkräfte eine wachsende Arbeitsverdichtung, steigende administrative Belastungen und zunehmende Herausforderungen im Klassenzimmer – bei gleichzeitigem Lehrkräftemangel. Wertschätzung zeigt sich nicht in Sonntagsreden. Sie zeigt sich in kleineren Klassen, multiprofessionellen Teams, verlässlichen Strukturen – und in einer modernen Pädagogik, die bei den Jüngsten ansetzt.
Grundschule neu denken: Selbstgesteuertes Lernen ab Jahrgangsstufe 1
Wenn wir Bildung ernst nehmen, müssen wir bei der Basis beginnen: in der Grundschule.
Kinder sind von Anfang an aktive Lerner. Sie wollen verstehen, gestalten und Verantwortung übernehmen. Deshalb fordert die KEG Bayern selbstgesteuertes und selbstverantwortetes Lernen ab der Jahrgangsstufe 1.
Nehmen wir Kinder ernst. Machen wir sie zu Partnern im Erziehungs- und Bildungsprozess.
Der vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus verantwortete LehrplanPLUS bietet dafür eine solide Grundlage. Doch Lehrpläne allein genügen nicht. Die Methoden bedürfen einer dringenden Weiterentwicklung und Ergänzung.
Wo sind die nachweislich wirksamen Parameter?
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Längeres gemeinsames Lernen
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Die Lehrkraft als Lernbegleiter und Moderator
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Systematische Hinführung zu Selbststeuerung und Eigenverantwortung
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Mehr Zeit für Beziehungsarbeit und individuelle Förderung
Unterricht und Erziehung funktionieren nicht mehr wie vor 30 Jahren. Die Rolle der Lehrkraft hat sich verändert. Unsere Gesellschaft hat sich verändert – Schule muss sich mitverändern. Und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt. Und nicht erst in der Sekundarstufe, sondern bereits ab der Grundschule.
Dafür braucht es ein Umdenken in der Lehrerbildung ebenso wie finanzielle Unterstützung für die Kommunen, um die notwendigen baulichen Anpassungen vorzunehmen.
Gestiegene Heterogenität ist Aufgabe aller Schularten
Die Schülerschaft an Bayerns Schulen ist vielfältiger denn je. Unterschiedliche soziale Hintergründe, Sprachbiografien, Förderbedarfe, inklusive Settings und zunehmende psychische Belastungen prägen den Schulalltag. Aus christlicher und humanistischer Perspektive ist diese Vielfalt kein Problem, sondern Ausdruck der Würde und Einzigartigkeit jedes Menschen. Jedes Kind ist eine unverwechselbare Persönlichkeit mit eigenen Begabungen, Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten. Diese Vielfalt darf deshalb nicht zur Aufgabe einzelner Schularten erklärt werden, sondern ist eine gemeinsame Verantwortung des gesamten Bildungssystems. Es darf nicht sein, dass sogenannte „verhaltenskreative“ Kinder faktisch in die Mittelschule abgeschoben werden. Jede Schulart trägt Verantwortung für Vielfalt und Inklusion.
Wenn wir Kinder ernst nehmen, dann erkennen wir: Jedes Kind braucht Menschen, die seine individuellen Fähigkeiten sehen, fördern und begleiten. Gute Bildung bedeutet daher nicht Einheitslösungen, sondern professionelle Begleitung durch unterschiedliche pädagogische und fachliche Expertisen. Kinder brauchen keine Einheitslehrkräfte – sie brauchen ein starkes Netzwerk von Fachkräften, das ihrer Persönlichkeit gerecht wird.
Dafür braucht es ausreichend Förderlehrkräfte, Schulsozialarbeit, multiprofessionelle Teams und verlässliche Beratungsstrukturen an allen Schularten.
Eigentlich bedeutet Inklusion Wahlfreiheit für betroffene Eltern und den bestmöglichen Förderort für jedes Kind. In der Realität bedeutet Inklusion derzeit jedoch oft: Förderstellen werden eingespart, weil jede Schule formal den Auftrag zur Inklusion hat. Das geht zulasten der betroffenen Kinder, ihrer Eltern und der Lehrkräfte – und erzeugt am Ende nur Verlierer.
Bildung ist auch Gesundheits- und Demokratiepolitik
Schulen leisten weit mehr als reine Wissensvermittlung. Sie fördern Resilienz, soziale Kompetenzen und Verantwortungsbewusstsein.
Wer in der Schule stabile Beziehungen erfährt und Selbstwirksamkeit erlebt, bleibt langfristig gesünder – psychisch wie körperlich. Investitionen in Bildung sind daher immer auch Investitionen in Prävention und entlasten langfristig das Gesundheitssystem.
Gleichzeitig ist Schule das Fundament unserer Demokratie. Lehrkräfte vermitteln nicht nur Fachwissen, sondern auch Werte wie Toleranz, Kritikfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein. In Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung ist diese Aufgabe wichtiger denn je.
Wenn jedoch Unterricht ausfällt, individuelle Förderung zu kurz kommt oder pädagogische Arbeit durch Bürokratie verdrängt wird, leidet auch die demokratische Bildung.
Konkrete Reformen jetzt – statt weiterer Prüfaufträge
Die KEG Bayern fordert die Staatsregierung auf, endlich konkrete Schritte umzusetzen:
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Reform der Lehrerbildung: Mehr Praxisbezug, verbindliche Begleitung im Berufseinstieg und systematische Vorbereitung auf heterogene Lerngruppen – inklusive Konzepte für selbstgesteuertes Lernen ab der Grundschule.
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Stärkung der Grund- und Mittelschulen: Kleinere Klassen, multiprofessionelle Teams und echte pädagogische Weiterentwicklung statt Strukturdebatten sowie eine qualitative Sprachförderung durch Fachpersonal.
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Verbesserungen in der Kita: Nachhaltige Fachkräftesicherung und verbindliche Qualitätsstandards für den Beginn der Bildungslaufbahn.
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Qualitativer Ausbau des Ganztags: Ganztag darf nicht zur bloßen Verlängerung von Unterricht werden, sondern braucht pädagogisch tragfähige Konzepte statt reiner Betreuung. Nachhaltige Ganztagsbildung ist beziehungsgestützt, entwicklungsorientiert, freiraumgebend, bewegungsreich und sozial integriert. Lehrkräfte allein können und werden diesen Anspruch nicht schultern – es braucht multiprofessionelle Teams und verlässliche Strukturen. Kinder brauchen keine verlängerte Schule, sondern einen erweiterten Lebensraum.
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Zeit- und inhaltsgleiche Umsetzung der TV-L-Ergebnisse in Bayern zum 01.04.2026.
Wer diese Themen ernst nimmt, muss handeln. Halbherzige Maßnahmen verschärfen die Probleme nur weiter.
Es geht um die Zukunft Bayerns
Leidtragende sind nicht nur die Lehrkräfte – es sind vor allem unsere Kinder und Jugendlichen und letztlich die gesamte Gesellschaft.
Eine Politik der schwarzen Null darf nicht auf dem Rücken von Bildung ausgetragen werden. Wer heute an Lehrkräften, Schulstrukturen und pädagogischer Qualität spart, spart an den Chancen unserer Kinder. Bildung ist die zentrale Zukunftsfrage des Freistaats. Wertschätzung muss sich in konkreter Politik niederschlagen – nicht in Sonntagsreden.
Wer heute nicht entschlossen investiert, gefährdet morgen Innovationskraft, sozialen Zusammenhalt und demokratische Stabilität.
Die KEG Bayern steht bereit – für beste Bildung von Anfang an.
München, den 05.03.2026
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Martin Goppel
Landesvorsitzender der KEG Bayern
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