KEG Bayern formuliert Erwartungen an die bayerische KMK-Präsidentschaft im Jahr 2026 und gratuliert der Bayerischen Kultusministerin Anna Stolz zum Vorsitz der Kultusministerkonferenz
Bildung braucht Haltung:
Am 22. Januar 2026 übernimmt der Freistaat Bayern offiziell unter der Führung von Kultusministerin Anna Stolz den Vorsitz der Kultusministerkonferenz (KMK) für das Jahr 2026. Für Martin Goppel, Landesvorsitzender der KEG Bayern, ist das mehr als ein organisatorischer Wechsel. Es ist eine politische und pädagogische Chance zur Neuausrichtung. Die Katholische Erziehergemeinschaft (KEG) Bayern verbindet damit klare Erwartungen – und eine große Hoffnung: dass Bildungspolitik wieder stärker vom Menschen her gedacht wird.
Warum jetzt Entscheidungen nötig sind
Die Schulen stehen bundesweit unter massivem Druck: Lehrkräftemangel, steigende psychische Belastungen von Kindern und Jugendlichen, zunehmende Gewalt, marode Schulgebäude, der gesetzliche Anspruch auf Ganztagsbetreuung, wachsende gesellschaftliche Spannungen, der Anspruch auf Inklusion, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz inklusive neuer Prüfkulturen und einer notwendigen Neudefinition der Rolle der Lehrkraft sowie nicht zuletzt die seit 2022 gesetzlich verpflichtende, aber weiterhin verpasste Einführung der Arbeitszeiterfassung treffen gleichzeitig auf ein System, das vielerorts an seine Grenzen kommt.
Zugleich erleben viele Lehrkräfte eine zunehmende Entgrenzung ihrer Arbeit, fehlende politische und gesellschaftliche Anerkennung pädagogischer Zusatzleistungen und eine wachsende Distanz zwischen politischen Entscheidungen und schulischer Realität. Hinzu kommt, dass die Gehälter deutscher Lehrkräfte im internationalen Vergleich nicht einmal zur Top 10 zählen.
Nicht irgendwann, sondern jetzt entscheidet sich, ob Schule weiter ausblutet – oder ob sie gestärkt aus diesen Herausforderungen hervorgeht. Anna Stolz kommt in einer Zeit an die Spitze der KMK, in der sich mehrere Entwicklungen gleichzeitig zuspitzen.
Warum die KMK handeln muss
Die Kultusministerkonferenz ist der zentrale Ort, an dem gemeinsame Leitplanken gesetzt werden können: für Arbeitszeitmodelle, Ausbildungsstandards, Vergleichbarkeit, Mobilität und Bildungsgerechtigkeit. Wenn Bildung föderal bleibt, dann braucht sie koordinierte Verantwortung.
Die KMK muss den Mut haben, über Einzelinteressen hinauszudenken und tragfähige, anschlussfähige Lösungen zu entwickeln – im Interesse der Kinder, der Lehrkräfte und der Zukunftsfähigkeit des deutschen Bildungssystems.
Was wir von einer KMK unter bayerischer Führung erwarten
Als katholischer Verband stehen wir für ein Bildungsverständnis, das Leistung und Beziehung, Freiheit und Verantwortung, Recht und Pädagogik zusammenhält und auf einem klaren Wertefundament basiert. Daraus ergeben sich konkrete Forderungen:
1. Vertrauen statt Verdacht – auch im Arbeitszeitrecht
Arbeitszeiterfassung kommt. Doch sie darf nicht zum Misstrauensinstrument werden. Arbeitszeitfragen sind rechtlich nicht mehr aufschiebbar. Wir erwarten von einer KMK unter Führung von Anna Stolz:
ein bundesweit anschlussfähiges, schuljahresbezogenes Modell,
das pädagogische Arbeit realistisch und vollständig sichtbar macht,
und Lehrkräfte schützt statt kontrolliert.
Wer junge Menschen begleitet, arbeitet nicht nach Stechuhr, sondern mit Herz, Haltung und hoher Professionalität. Der Gesundheitsschutz unserer Lehrkräfte muss oberste Priorität haben. Daher ist eine praxisnahe und unbürokratische Arbeitszeiterfassung unerlässlich.
2. Bildungsgerechtigkeit ernst nehmen – nicht nur beschwören
Gleiche Bildungschancen entstehen nicht durch Gleichmacherei, wie es in bildungspolitischen Debatten immer wieder suggeriert wird. Wir fordern:
vergleichbare und moderne Ausbildungsstandards, erstklassige Studiengänge und realistische Perspektiven für Lehrkräfte aller Schularten und Fachrichtungen,
echte Durchlässigkeit im bundesweit noch immer stark differenzierten Bildungssystem,
keinen Ausschluss von Kindern oder Jugendlichen mit Beeinträchtigungen,
längeres gemeinsames Lernen statt frühen Aussortierens,
und eine KMK, die den Mut hat, Unterschiede anzuerkennen, statt sie nur zu verwalten.
3. Schule als Lebensraum stärken
Schule ist mehr als Unterricht. Sie ist Beziehungsort, Wertegemeinschaft, Nährboden der Demokratie und Lernraum fürs Leben. Deshalb braucht es:
Zeit für Erziehung, Seelsorge, Prävention und Persönlichkeitsbildung,
klare Signale gegen weitere Verdichtung und Entgrenzung der Lehrerarbeit,
eine Bildungspolitik, die weiß: Kinder brauchen nicht nur Kompetenzen, sondern Halt und reale Begegnung,
sowie nachhaltige Investitionen in Schulgebäude und deren Infrastruktur.
4. Föderalismus kooperativ denken
Der Bildungsföderalismus darf kein Flickenteppich bleiben. Wir erwarten von der KMK:
mehr Verbindlichkeit,
mehr gemeinsame Standards bei gleichzeitiger Wahrung regionaler Besonderheiten,
und weniger Symbolpolitik.
Bayern kann und muss in der KMK Brücken bauen – zwischen Ländern, Schularten und Professionen sowie den modernen Anforderungen an ein differenziertes Schulsystem.
Unser Anspruch
Als KEG Bayern sagen wir klar:
Bildung braucht wieder Haltung, nicht nur Verwaltung. Pädagogik braucht Freiheit, nicht permanente Rechtfertigung.
Und ein moderner Staat braucht Lehrkräfte, die gesund, anerkannt und motiviert arbeiten können. Viele zentrale Fragen werden aktuell nicht mehr in der KMK entschieden, sondern durch Gerichte, EU-Recht oder Fachkräftemangel erzwungen (z. B. Arbeitszeiterfassung, Vergleichbarkeit von Abschlüssen, Mobilität von Lehrkräften).
Die KMK muss wieder zum Motor deutscher Bildungsqualität werden – auch, um unserer Wirtschaft dauerhaft gut ausgebildete Fachkräfte zu sichern.
Unser Appell an die neue Vorsitzende
Nutzen Sie die KMK-Präsidentschaft 2026, um Bildung wieder konsequent vom Menschen her zu denken. Bewahren Sie sich den Mut zum Dialog – und treffen Sie mutige, verbindliche Entscheidungen im Sinne der Zukunft Deutschlands.
Mit Mut. Mit Maß. Und mit dem Vertrauen in eine Berufsgruppe, die täglich Zukunft ermöglicht.
Die KEG Bayern steht wie immer bereit – als kritisch-konstruktive Partnerin, als Anwältin der Lehrkräfte und als Stimme einer hoffnungsvollen Bildungspolitik.
Denn: Gute Bildung beginnt mit echter Wertschätzung. Und sie endet nie.
Zum Plakat: Bildung braucht Haltung
München, den 20.01.2026
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