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11.09.2025

Zweiter Platz im Bildungsmonitor – Grund- und Mittelschulen brauchen mehr als Applaus. Zurück zu den Wurzeln!

Bildungsmonitor 2025:

Im aktuellen Bildungsmonitor 2025 belegt Bayern erneut den zweiten Platz unter den Bundesländern – ein Beleg für die insgesamt hohe Qualität des Bildungssystems im Freistaat. Die KEG Bayern begrüßt das gute Abschneiden ausdrücklich, nimmt aber zugleich die deutlichen Schwächen bei Ganztagsbetreuung, Integration und Chancengleichheit zum Anlass für eine kritische Einordnung – vor allem mit Blick auf die Grund- und Mittelschulen sowie die Kindertageseinrichtungen, die die tragenden und grundlegenden Säulen für Bildungsgerechtigkeit im Freistaat bilden.

Grundschulen: Qualität unter Druck              

Bayerns Grundschulen leisten Hervorragendes – insbesondere vor dem Hintergrund wachsender Anforderungen und chronischer Unterversorgung mit Personal- und Zeitressourcen. Die im Bildungsmonitor hervorgehobene Schulqualität (Platz 2) bestätigt das hohe Engagement der Lehrkräfte und die Verlässlichkeit des Systems. Wir gehen hier täglich die Extrameile und leisten für den gelingenden Schulbetrieb weit mehr, als unser Deputat vermuten lässt.

Problematisch bleibt die unzureichende Ganztagsinfrastruktur: Nur 17,5 % der Grundschulkinder in Bayern haben Zugang zu ganztägiger Bildung und Betreuung – der Bundesdurchschnitt liegt bei 49,5 %. Angesichts des bevorstehenden Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung ab 2026 ist das ein alarmierendes Signal.

„Ganztag darf nicht als reine Aufbewahrung gedacht werden, sondern muss qualitativ hochwertig, pädagogisch durchdacht und personell gut ausgestattet sein“, betont Martin Goppel, Landesvorsitzender der KEG Bayern. „Wir brauchen echte Bildungspartnerschaften zwischen Schule, Ehrenamt, Kommune und Jugendhilfe – und nicht das Sparmodell eines verlängerten Vormittags in Unterrichtsgebäuden. Der Ganztag bietet eine Chance, die Kommunen und das Ehrenamt zu stärken. Dass jedoch im Gesetzentwurf zur Ganztagsbetreuung die Schulaufsicht als Ansprechpartner in den so wichtigen Ferien genannt ist, lässt die Vermutung offen, dass mittelfristig und langfristig die Staatsregierung Grundschullehrkräfte in den Ferien antanzen lassen will. Dies gilt es zu verhindern, zumal wir jetzt schon mehr leisten, als unser Deputat es erahnen lässt. Die KEG Bayern ist entschieden gegen diese Formulierung. Die Kommunen sind hierfür vorgesehen und sollten hier auch in die Pflicht genommen werden müssen.“

Mittelschulen: Brennpunkte ohne Rückhalt

Die bayerischen Mittelschulen sind vielfach die „Feuerwehr“ im System – sie fangen auf, was anderswo nicht gelingt. Sie begleiten Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichsten biografischen, sprachlichen und sozialen Hintergründen – oft mit großem Einsatz, aber zu wenig struktureller und politischer Unterstützung.

Der Bildungsmonitor zeigt: Die Wiederholerquote liegt in Bayern bei 5 % – fast doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt. Auch im Bereich Integration landet Bayern auf einem der hinteren Plätze (Platz 15). Das betrifft gerade die Mittelschulen besonders deutlich.

Bayern braucht endlich eine Reform der Mittelschule. Eins ist klar: Der M-Zug muss erhalten bleiben, Lehrerstellen dürfen hier nicht zum Sparprogramm werden, Grundschullehrkräfte sollten dort nicht verheizt werden, und eine denkbare Zusammenlegung mehrerer Mittelschulen macht diese wichtige Schulart weder für Lehrkräfte attraktiver noch für die Schülerinnen und Schüler.

„Unsere Lehrkräfte an Mittelschulen stehen unter enormem Druck. Sie brauchen kleinere Klassen, mehr multiprofessionelle Teams und eine gesellschaftliche und politische Anerkennung, die ihrer Arbeit gerecht wird“, so Goppel. „Wir sind gespannt, was Ministerin Stolz uns Anfang Oktober vorstellen wird.“

Frühkindliche Bildung: Qualität statt Quote

Auch im Bereich der Kindertageseinrichtungen sieht die KEG Bayern erheblichen Handlungsbedarf. Zwar ist Bayern in der Betreuungsquote besser geworden, doch Qualität und Personalschlüssel bleiben vielerorts deutlich hinter dem Notwendigen zurück.

Die KEG fordert:

  • eine konsequente Verbesserung der Fachkraft-Kind-Relation – auch mit Blick auf die steigenden Heterogenitäten,

  • eine strukturelle Entlastung von Leitungskräften, die oft aushelfen und nicht zu ihrer eigentlichen Arbeit kommen,

  • sowie die verbindliche Verankerung pädagogischer Qualitätsstandards im ganzen Land.

Fazit: Gute Ausgangslage, aber große Verantwortung zum Schul- und Kitajahr 2025/26

„Der zweite Platz im Bildungsmonitor ist ein positives Signal – aber kein Grund zur Selbstzufriedenheit. Bayern hat eine solide Bildungsbasis, doch ohne gezielte Investitionen in die frühkindliche Bildung, die Grund- und Mittelschulen sowie die pädagogischen Fachkräfte wird es schwer, diese Position zu halten. Bayern hat trotz gutem Abschneiden im Bildungsmonitor kein Problem mit Fachkräften – es hat ein Bildungsproblem“, stellt Goppel klar. Hier muss mehr investiert werden!

Dabei warnt die KEG Bayern eindringlich vor kurzfristigen Sparmaßnahmen in der Bildungspolitik. Es braucht den Mut, heute zu investieren – auch wenn es zunächst aufwendig erscheint. Denn eines zeigt die Realität immer wieder: Wer Bildung nur unter dem Blickwinkel der Kosten betrachtet, wird langfristig den Preis zahlen. In diesem Sinne zitiert die KEG Bayern den britischen Schauspieler Hugh Grant:

„Alles, was man nur wegen des Geldes macht, rächt sich irgendwann. Ausnahmslos. Macht man etwas, weil man daran glaubt, wird man belohnt. Auch wenn es riskant war.“

Diese Haltung muss auch Leitprinzip der Bildungspolitik in Bayern werden – besonders jetzt, zu Beginn des neuen Schul- und Kitajahres. Es geht nicht um kurzfristige Effizienz, sondern um langfristige Wirksamkeit.

Die KEG Bayern appelliert an die Politik:

  • Ganztagsangebote ausbauen und richtig aufsetzen – mit Qualität und Verantwortung.

  • Personalgewinnung und -bindung im pädagogischen Bereich endlich zur Priorität machen.

  • Fort- und Weiterbildungen für pädagogisches Fachpersonal intensivieren und ausbauen.

  • Benachteiligte Schulen, insbesondere Mittelschulen, gezielt stärken.

  • Integration und Inklusion als Querschnittsaufgaben begreifen – nicht als Randthemen.

„Wer Spitzenreiter bleiben will, muss jetzt die Weichen stellen. Nicht nur für Rankings und Fotos – sondern für die Kinder und Jugendlichen in Bayern“, so das Resümee des Landesvorsitzenden.

München, den 11.09.2025

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