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03.03.2026

Jetzt muss die Politik (endlich) handeln – Verantwortung für unsere Kinder übernehmen

Mehr als 11.000 Sorgen, Wünsche und konkrete Forderungen von Erzieherinnen, Erziehern und Eltern wurden am 27. Februar 2026 - dem Equal Pay Day - im Rahmen der Aktion „Wimpel für Wandel“ symbolisch an Staatsminister Dr. Florian Herrmann überreicht, der in Vertretung von Ministerpräsident Dr. Markus Söder die Wimpel entgegen nahm. Übergeben wurden die Wimpel von pädagogischen Fachkräften, Leitungen von Fachakademien und den Verbandsvorsitzenden der beteiligten Organisationen selbst. Die Übergabe war ein deutliches Signal: Die Beschäftigten in Bayerns Kitas erwarten jetzt spürbare Verbesserungen.

Die Aktion wurde von der KAB München und Freising, dem Verband Kitafachkräfte Bayern, der GEW Bayern, ver.di Bayern und der Katholische Erziehergemeinschaft Bayern getragen. Bereits 2025 zeigte eine interne Umfrage der Verbände ein alarmierendes Bild: Nur noch wenige pädagogische Fachkräfte würden ihr eigenes Kind in der Einrichtung betreuen lassen, in der sie selbst arbeiten – eine Entwicklung, die sich inzwischen weiter verschärft hat.

Dramatische Lage in Bayerns Kitas und Horten

Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft fehlen allein in Bayern mindestens 42.000 Hortplätze, um den Betreuungsbedarf von Grundschulkindern zu decken. Gleichzeitig wird die Fachkraftquote in vielen Kommunen aus Kostengründen immer weiter abgesenkt. Die Bertelsmann-Studie zum Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme zeigt: Bayern liegt bundesweit am unteren Ende. Während in Thüringen rund 94 % des Kita-Personals pädagogische Fachkräfte sind, beträgt der Anteil in Bayern nur etwa 54,5 %. Staatlich geprüfte Kinderpfleger werden in der Studie nicht als Fachkräfte gezählt – eine Entscheidung, die von Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf kritisiert wird.

Der Mangel an qualifiziertem Personal wird nicht strukturell gelöst, sondern verwaltet – auf Kosten der Kinder und der Beschäftigten. Was darunter leidet, ist weit mehr als die Organisation des Kita-Alltags: Es geht um Sozialisierung, Demokratiebildung, Sprachförderung, Talententdeckung und frühkindliche Bildung – damit um die Zukunft Bayerns. Wenn Gruppen zu groß sind, Personal fehlt und Zeit für individuelle Förderung schwindet, verlieren am Ende die Kinder.

Hinzu kommen die finanziellen Engpässe vieler Kommunen, die zu einer mangelhaften Ausstattung führen. Gleichzeitig wurde die Versorgung mit frischem Obst aus EU-Mitteln reduziert, während Personal- und Energiekosten massiv gestiegen sind. Kita-Leitungen kämpfen täglich darum, qualitativ hochwertiges Essen und qualifiziertes Fachpersonal anbieten zu können.

Bildung beginnt nicht erst im Klassenzimmer – sie beginnt im Elternhaus, in der Kita, bei gesunder Ernährung, stabilen Beziehungen und verlässlicher Betreuung.

Die zentrale Frage, die bei der Übergabe der Wimpel im Raum stand, war daher auch eine politische: Wie sollen Kinder und Familien Vertrauen in den Staat und seine Repräsentanten entwickeln, wenn ausgerechnet im sensibelsten Bereich – der frühen Bildung und bei Familien – gespart wird? Und wie sollen Eltern mehr arbeiten können, wenn verlässliche Betreuung fehlt?

Appell der KEG Bayern an die Staatsregierung und alle demokratischen Parteien

Der KEG-Landesvorsitzende Martin Goppel brachte es auf den Punkt:

„Investiert nicht nur wieder in Bildung und unsere Kinder. Schafft tragfähige Grundlagen und Spielregeln. Nehmt die Sorgen der Erzieherinnen, Erzieher und Familien ernst. Sonst übernimmt das eine andere Regierung – und das sollte nicht unser aller Ziel sein.“

Als katholischer Berufsverband appelliert die KEG außerdem an alle christlich und demokratisch geprägten Parteien: Kehren Sie zurück zu Ihrer Grundhaltung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt – nicht kurzfristige Aufmerksamkeitseffekte, nicht Social-Media-Inszenierungen.

Kinder, Familien und Beschäftigte brauchen Konstanz, Verlässlichkeit und echte politische Prioritätensetzung.

  • Investieren Sie in Menschen, nicht nur in Projekte.
  • Stärken Sie die frühkindliche Bildung durch ausreichende Fachkraftquoten und genügend Betreuungsplätze.
  • Schaffen Sie die Rahmenbedingungen, die Eltern ermöglichen, Familie und Beruf wirklich zu vereinbaren.

Die Übergabe der über 11.000 Wimpel war mehr als eine symbolische Aktion – sie war ein kraftvoller, ehrlicher Weckruf aus der Praxis. Die Fachkräfte haben gesprochen. Nun liegt es an der Politik, zu handeln.

München, den 03.03.2026

 

 

Pressekontakt KEG Bayern:
Martin Goppel
Landesvorsitzender der KEG Bayern
presse@keg-bayern.de
mobil: 0175 8880143
Pressefotos: https://www.keg-bayern.de/pressebilder