
Eine grundlegende Umkehr der Bildungspolitik fordern die Katholische Erziehergemeinschaft in Bayern (KEG Bayern) und der Bildungsforscher Professor Klaus Zierer.
Professor Dr. Klaus Zierer und KEG-Landesvorsitzender Martin Goppel: „Bildungspolitik muss Buße tun. Kehrt um und glaubt an die Pädagogik!“
„Wir erleben so viele Depressionen, Angststörungen und Erschöpfungssymptome bei jungen Menschen wie noch nie“, erklärt Zierer. „Das ist kein individuelles Versagen der Kinder, sondern auch eine strukturelle Folge verfehlter Bildungspolitik.“ Statt diesen Missstand klar zu benennen, würden Schule und Unterricht zunehmend auf Noten, Technik und Zertifikate reduziert. Digitalisierung werde immer noch naiv und euphorisch vorangetrieben, ohne ihre gefährlichen Neben- und Langzeitfolgen ernsthaft zu reflektieren.
„Die morgen beginnende österliche Bußzeit ist ein guter Anlass, um in sich zu gehen und umzukehren“, mahnt Martin Goppel. Mein Appell richtet sich an alle Bildungspolitiker. „Tut Buße, kehrt um und glaubt an die Pädagogik!“
Goppel und Zierer nennen für diesen Paradigmenwechsel drei Themen als wichtigste:
(1) Pädagogik statt Technik: Digitalisierung ohne Maß überfordert Kinder
Digitale Bildung ist kein Selbstzweck. Dennoch entsteht derzeit der Eindruck, als ließen sich pädagogische Probleme durch mehr Geräte, mehr Plattformen und mehr Bildschirmzeit lösen. Programme und Initiativen zur Digitalisierung dominierten die bildungspolitische Agenda, während Fragen nach Beziehung, Bindung, Konzentration und seelischer Stabilität in den Hintergrund träten. „Bildung scheitert nicht an zu wenig Technik, sondern an zu wenig Maß“, so Zierer. „Kinder brauchen Orientierung, Beziehung und Schutzräume – keine permanente digitale Verfügbarkeit.“
Die KEG Bayern kritisiert insbesondere, dass digitale Konzepte häufig ohne ausreichende entwicklungspsychologische und erziehungswissenschaftliche Fundierung umgesetzt werden. Gleichzeitig fehle der Mut zu klaren Regeln – etwa beim Smartphone-Gebrauch in Schulen. Kinder würden damit allein gelassen in einer Welt permanenter Reize.
(2) Bildung braucht Beziehung: Erziehender Unterricht statt Vorbereitung
auf die Gesellschaft
Ostern erinnert daran, dass Leben aus Beziehung entsteht. Diese Botschaft ist hochaktuell auch für Bayerns Bildung. Lernen ist kein technischer Vorgang, sondern ein zutiefst menschlicher Prozess. Zierer verweist auf die klare Forschungslage: „Die Qualität der Beziehung zwischen Lehrkräften und Lernenden ist der stärkste Wirkfaktor für Bildungserfolg.“
„Wenn Bildung Beziehung verliert, verliert sie ihren Sinn“, betont Goppel. „Christliche Bildung weiß seit jeher: Der Mensch ist ein Beziehungswesen – zu Gott, zu den Mitmenschen und zur Schöpfung. Und dafür steht KEG: im Mittelpunkt steht der Mensch – nicht Kompetenzen, Noten oder Zertifikate!“
Die biblische Aussage „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“ (Gen 2,18) beschreibt genau das, was moderne Bildungsforschung bestätigt. Wo Lernen vereinzelt, virtualisiert und beschleunigt wird, leidet nicht nur die Leistung, sondern vor allem die Persönlichkeit. „Dass es Menschen sind, die im Klassenzimmer als learning community zusammenwirken“, muss wieder ins Bewusstsein der Bildungspolitik“, sind sich Goppel und Zierer einig.
(3) Bildung ist nachhaltige Entwicklung: Schöpfung erleben als Korrektiv zur
digitalen Überforderung
Die KEG Bayern und Prof. Zierer sehen in der universalen Schöpfung einen unverzichtbaren Bildungsraum. Naturerfahrungen fördern Konzentration, Achtsamkeit, Selbstwirksamkeit und seelische Stabilität. Sie wirken als notwendiges Gegengewicht zu digitaler Dauerverfügbarkeit und Leistungsdruck.
„Der Mensch ist mehr als ein dressierter Nutzer von Technologien“, erklärt Goppel. „Er ist Geschöpf Gottes. Bildung muss dieser Würde gerecht werden.“
Schöpfungsorientierte Bildung vermittelt Maß, Verantwortung und Solidarität – Werte, die weder digitalisiert noch simuliert werden können. Klaus Zierer: „Kinder erfahren sich nicht als Konsumenten, sondern als Teil eines größeren Ganzen. Das stärkt Resilienz und Zuversicht – zentrale Ressourcen, nicht nur in einer krisenhaften Zeit.“
Gemeinsamer Appell: Ostern heißt Umkehr – auch in der Bildung
Die Auferstehungsbotschaft ist kein Vertrösten, sondern ein Auftrag zur Erneuerung. Ostern bedeutet Umkehr: weg von einem Bildungssystem, das überfordert und beschleunigt, hin zu einer Bildung, die schützt, stärkt und begleitet.
Die KEG Bayern und Professor Zierer fordern deshalb:
klare Begrenzung digitaler Dauerreize im Bildungsalltag,
verbindliche Schutzräume für Kinder und Jugendliche,
deutliche Stärkung von Beziehung, Naturerfahrung und Gemeinschaft,
eine wertegebundene Bildungspolitik, die sich an pädagogischer Evidenz statt an Technikbegeisterung orientiert.
München, den 17.02.2026
Pressekontakt Universität Augsburg
Univ.-Prof. Dr. Klaus Zierer
Ordinarius für Schulpädagogik
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