KEG Bayern begrüßt den Masterplan Lehrkräftebildung – jetzt muss er den Lehrkräfteberuf wirklich zukunftsfest machen
Was wäre, wenn wir das Morgen nicht mit den Antworten von gestern gestalten können?
Bayern braucht Lehrkräfte – heute und erst recht morgen. Die Schülerzahlen sowie die Anforderungen, vor denen Lehrkräfte stehen, steigen weiter. Gleichzeitig besteht weiterhin ein hoher Lehrkräftebedarf, besonders an den Mittelschulen. Auch die deutschlandweite Bewerberknappheit bleibt eine Herausforderung.
Genau deshalb begrüßt die KEG Bayern den Masterplan Lehrkräftebildung und den Mut der Staatsregierung, auch in haushälterisch angespannten Zeiten zu investieren.
Die Reform ist eine Forderung, die die KEG seit Jahren erhebt. Auch Mitglieder der KEG haben ihre Perspektiven in die Arbeit der Expertenkommission eingebracht.
Die stärkere Verzahnung von Studium und Vorbereitungsdienst, eine Überarbeitung der Prüfungskultur, die Stärkung von Persönlichkeit und Gesundheit sowie des Berufseinstiegs und die Orientierung an Core Practices sind wichtige Schritte und eine Forderung unseres Verbandes.
Jetzt aber muss sich zeigen, ob der Masterplan mehr kann, als Strukturen neu zu sortieren.
„Wir haben den Masterplan lange gefordert. Jetzt ist er da. Aber ein neues Etikett auf dem Studium macht noch keine neue Lehrkraft. Wir müssen vom Lehrerberuf der Zukunft her denken – nicht vom Studienmodell der Vergangenheit“, sagt Martin Goppel, Landesvorsitzender der KEG Bayern, und lobt dabei die Arbeit beider Ministerien.
Grund- und Mittelschule brauchen allerdings mehr als „plus ein Semester“
Für die KEG darf die Reform nicht auf eine pauschale Verlängerung des Studiums hinauslaufen. Gerade Grund- und Mittelschullehrkräfte brauchen eine Ausbildung, die ihrer besonderen pädagogischen Verantwortung gerecht wird.
Das gilt insbesondere für Klassenführung und Klassenleitung, Beziehungsarbeit, Diagnostik, individuelle Förderung, Umgang mit Heterogenität und inklusives Arbeiten.
„Wer eine Klasse führt, führt keine Fächerliste – er führt Beziehungen, Lernprozesse und Entwicklung. Genau dafür brauchen Grund- und Mittelschullehrkräfte im Studium die entsprechende professionelle und fachliche Vorbereitung“, so Goppel.
Die großen Fragen liegen vor uns
Der Masterplan muss nun auf die Straße gebracht werden und dann Antworten auf die entscheidenden Zukunftsfragen geben:
- Wie gewinnen wir junge Menschen für den Lehrerberuf?
- Wie verbinden wir wissenschaftliche Qualität mit echter Berufspraxis?
- Wie werden Lehrkräfte professionell auf den Umgang mit KI und Digitalisierung vorbereitet?
- Wie lernen sie, heterogene Klassen zu führen, individuelle Lernwege zu erkennen und Beziehungen professionell zu gestalten?
- Und wie schaffen wir für die Grund- und Mittelschullehrämter eine gleichwertige und auf die dort bestehenden, auch fachlichen Anforderungen zugeschnittene Ausbildung?
Jetzt muss der Masterplan liefern
Die KEG Bayern sieht im Masterplan einen wichtigen Schritt und zugleich einen Auftrag. Die Reform muss junge Menschen für den Lehrerberuf begeistern und sie auf eine Schule vorbereiten, die sich durch KI, Digitalisierung, Inklusion, Heterogenität und veränderte gesellschaftliche Anforderungen rasant wandelt.
„Wir brauchen keine Lehrkräfteausbildung im Update-Modus. Wir brauchen ein neues Betriebssystem für den Lehrerberuf. Wissenschaftlich fundiert, praxisnah, menschlich und bereit für KI“, betont Goppel.
Die KEG wird den weiteren Reformprozess konstruktiv begleiten und darauf achten, dass die Perspektive der pädagogischen Praxis und die besonderen Anforderungen von Grund- und Mittelschule tatsächlich Eingang in die Umsetzung finden.
Denn die entscheidende Frage lautet:
Bilden wir Lehrkräfte für die Schule von gestern aus – oder für die Welt, in der unsere Kinder morgen leben?
München, den 21.09.2026
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