Zurück zur Liste
18.06.2026

Foto: Ronja Volland (Leitung des KEG Landesreferats der Förderlehrkräfte in Bayern) in der ARD Arena

Wie fair ist das Schulsystem in Deutschland?

Eine aktuelle Debatte zwischen Anspruch und Realität

Diese Frage stellte Ronja Volland, Leiterin des KEG-Landesreferats der Förderlehrkräfte in Bayern, in der ARD-Sendung Arena am 27. April 2026 in Nürnberg an Ministerpräsident Markus Söder. Ihre Intervention greift ein Thema auf, das Bildungspolitik, Wissenschaft und Praxis seit Jahren beschäftigt: die Frage nach echter Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem.

Bildungserfolg bleibt abhängig von Herkunft

Zahlreiche aktuelle Studien zeigen übereinstimmend, dass der Bildungserfolg in Deutschland weiterhin stark von der sozialen Herkunft abhängt. So belegt die OECD in der PISA-Studie 2022, dass Deutschland zu den Ländern gehört, in denen der Zusammenhang zwischen sozialem Hintergrund und Bildungserfolg besonders ausgeprägt ist.

Auch der Sachverständigenrat für Integration und Migration sowie Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung bestätigen: Kinder aus nicht-akademischen oder einkommensschwächeren Haushalten haben deutlich geringere Chancen auf höhere Bildungsabschlüsse.

Der Bildungsbericht Deutschland zeigt zudem, dass frühe Bildungsentscheidungen – insbesondere die Aufteilung nach der vierten Klasse – bestehende Ungleichheiten eher verstärken als ausgleichen.

Frühe Selektion als strukturelles Problem

Genau hier setzt die Kritik von Ronja Volland an. Sie betont, dass Integration und Inklusion nur dann gelingen können, wenn Kinder möglichst lange gemeinsam lernen. Die frühe Aufteilung in unterschiedliche Schularten führe hingegen dazu, dass Chancen ungleich verteilt werden und sich soziale Unterschiede verfestigen.

„Integration ist eine zentrale Aufgabe von Schule – aber sie kann nur gelingen, wenn die gesamte Gesellschaft sie mitträgt und nicht auf wenige Schultern abgeladen wird“, so Volland.

Gemeinsames Lernen bedeute nicht nur pädagogische Vielfalt, sondern auch gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wenn Kinder früh getrennt werden, gehe genau dieser gemeinsame Erfahrungsraum verloren.

Bildung als Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe

Einigkeit besteht in Wissenschaft und Praxis darüber, dass Bildung eine zentrale Voraussetzung für Integration und gesellschaftliche Teilhabe ist – sei es in der Schule, in Sprachkursen oder im Übergang in Ausbildung und Beruf.

Doch damit Bildung diese Funktion erfüllen kann, braucht es faire Startbedingungen. Volland formuliert es klar:
Echte Teilhabe beginnt mit gleichen Chancen – und diese werden durch frühe Festlegungen im Bildungssystem eingeschränkt.

Zwischen politischem Anspruch und struktureller Realität

Die Debatte zeigt ein Spannungsfeld: Einerseits wird die Bedeutung von Bildungsgerechtigkeit politisch betont, andererseits bleiben strukturelle Veränderungen oft aus. Während das gegliederte Schulsystem von seinen Befürwortern als differenziert und leistungsfördernd beschrieben wird, sehen Kritiker darin eine zentrale Ursache für ungleiche Bildungschancen.

Die Frage nach der Fairness des deutschen Schulsystems ist keine rein bildungspolitische, sondern eine gesellschaftliche Grundsatzfrage.

Bildung entscheidet nicht nur über individuelle Lebenswege, sondern auch darüber, wie eine Gesellschaft mit Vielfalt, Teilhabe und Gerechtigkeit umgeht.

Die Intervention von Ronja Volland macht deutlich: Wer es ernst meint mit Bildungsgerechtigkeit, muss bereit sein, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen – und gegebenenfalls neu zu denken.

Das Video finden Sie auf unserem Instagram-Kanal

Foto: Ronja Volland (Leitung des KEG Landesreferats der Förderlehrkräfte in Bayern) in der ARD Arena