CB 02/2026

Liebe Leserinnen und Leser,

unser Leitbeitrag in dieser CB fragt, was frühe Bildung in unseren Bildungsinstitutionen bedeutet und was davon im Erwachsenenalter bleibt. Hintergrund ist die starke Ausrichtung vieler Bildungsbemühungen auf kognitive Kompetenzen, Messbarkeit und Verwertbarkeit von Wissen. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld zwischen einem klassischen Verständnis von Bildung als ganzheitlicher Persönlichkeitsentwicklung und einem funktionalen Verständnis als Erwerb spezifischer und überprüfbarer Fertigkeiten.
Ich möchte vorweg auf die aktuellen Einflüsse, welche durch KI-Unterstützungssysteme diskutiert werden, eingehen. In Zeiten wachsender Digitalisierung gewinnt eine KI‑gestützte Lernbegleitung und algorithmische Leistungsdiagnostik an Bedeutung und kann einen tiefgreifenden Wandel pädagogischer Praxis mit sich bringen. Systeme, die Lernschwierigkeiten früh erkennen oder individualisierte Aufgaben generieren, versprechen bei zuverlässiger Förderung Effizienz, Präzision und Entlastung.
Und genau an dieser Stelle liegt dennoch die Grenze: Bildung ist mehr als spezifische Kompetenzentwicklung. Bildung ist – im humboldtschen Sinn – Persönlichkeitsbildung, Selbstbildung, ein lebenslanger Prozess der Auseinandersetzung mit Welt, Kultur und Menschen. Im Kern steht die Beziehung zu anderen Menschen als Basis. Entwicklungspsychologische Forschung bis zur modernen Bindungsforschung zeigt klar: Kinder lernen, wer sie sind, was sie fühlen und wie sie leben wollen in zwischenmenschlicher Resonanz. Beziehung entsteht über Mimik, Blickkontakt, Berührung, Körperlichkeit, Feinabstimmung, also über sensitiven und responsiven Dialog. Bindung, Sicherheit, geteilte Emotionen, gemeinsame Erfahrungen; das sind Prozesse, die keine Maschine bieten kann.
Eine KI kann Lernwege berechnen – aber sie kann kein inneres Gegenüber sein. Sie kann Emotionen erkennen – aber keine eigenen haben. Sie kann reagieren – aber nicht mitfühlen. Maschinen können Gefühle benennen, aber keine echte emotionale Erfahrung zurückgeben. Eine KI versteht nicht wirklich, wer das Kind ist, was es innerlich bewegt oder warum es bestimmte Dinge tut. Sie erkennt Muster, aber kein persönliches Erleben. Auch wenn beispielsweise KI-Avatare dialogfähig, empathisch wirkend oder Antwort auf eine Reaktion zeigen, handelt es sich dabei um Simulationen von maschineller Beziehung, nicht um multisensorielle Beziehung selbst. Ihr Einsatz kann soziale und emotionale Entwicklung behindern.
Wenn pädagogische Systeme in unseren Bildungsinstitutionen zu großem Umfang technisiert werden, besteht die Gefahr, dass jene Momente verlorengehen, die Bildung eigentlich tragen: Wärme, Echtheit, Irritation, Frustration, Trost, Humor, Nähe. Alles Dinge, die sich nicht quantifizieren und nicht simulieren lassen.
Was bleibt? Wir wissen aus Erfahrung: Am Ende erinnern sich Erwachsene nicht an perfekte Lernprogramme in der Kindheit. Sie erinnern sich an Menschen. Bleibt ein Algorithmus? Eine perfekt passende Lernempfehlung? Oder bleiben die Menschen, die ein Kind gestärkt, gesehen, ermutigt und begleitet haben? Bleiben wird das, was trägt: Beziehung als stabiles Fundament. Sie ist der Kern jeder pädagogischen Arbeit – gestern, heute und morgen. Gerade in einer digitalisierten Welt erhält Bindung, Interaktion und Beziehung eine einzigartige Bedeutung – sie ist die unverzichtbare Bildungsbasis.

Gerlinde Kohl,
Bundesvorsitzende der KEG Deutschlands

Was bleibt?

Im Leitartikel der aktuellen Ausgabe der CB mit dem Titel „Mehr als Wissen: Wie Bildung unsere Identität prägt“ wird deutlich, warum die Begriffe Bildung und Identität trotz aller Kontroversen unverzichtbar für schul- und hochschulpolitische Debatten bleiben. Der Beitrag knüpft an das Bildungsverständnis von Wilhelm von Humboldt an und beschreibt Bildung als offenen, lebenslangen Prozess der Selbstbildung – weit mehr als bloßen Kompetenzerwerb. Kritisch beleuchtet wird die zunehmende Ökonomisierung des Bildungssystems, die Wissen vor allem nach Messbarkeit und Verwertbarkeit bewertet. Demgegenüber betont der Artikel, dass Bildung unsere Werte, unser Selbstverständnis und unsere gesellschaftliche Orientierung prägt – und damit maßgeblich Identität formt. Wer erfahren möchte, warum Bildung mehr ist als Prüfungswissen und weshalb sie gerade heute zentrale Bedeutung für eine demokratische Gesellschaft hat, sollte den Leitartikel in der aktuellen Ausgabe der CB vollständig lesen.

Im Gespräch mit Bernd Uwe Althaus Menschen der KEG

Dr. rer. nat. Bernd Uwe Althaus
Staatssekretär und Amtschef im Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

Vom Lehrer für Mathematik und Physik zum Staatssekretär: Dr. Bernd Uwe Althaus kennt Schule aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Im Interview „Menschen der KEG“ spricht er über prägende Begegnungen, die Herausforderungen rasanter Entwicklungen im Bildungssystem und die Rolle von Haltung und Werten im Schulalltag. Warum für ihn die Persönlichkeit der Lehrkraft entscheidend bleibt und was Bildungspolitik heute leisten muss, lesen Sie im vollständigen Gespräch.

Im Gespräch mit Robert Gabriel Menschen der KEG

Robert Gabriel
Rektor der Grundschule Hebertsfelden

Wir haben Robert Gabriel, seit 1990 Mitglied der KEG und seit 2011 Rektor der Grundschule Hebertsfelden, zum Gespräch getroffen. Im Interview gibt er uns einen persönlichen Einblick in seinen Schulalltag, der von der Freude an der Arbeit mit Kindern, einem engagierten Kollegium und seiner großen Leidenschaft für Musik geprägt ist – die im Unterricht immer wieder ihren Platz findet. Offen spricht er auch über die Veränderungen der vergangenen Jahre: über die spürbaren Folgen der Digitalisierung auf Konzentration, Feinmotorik und Geduld der Schülerinnen und Schüler sowie über die wachsende Bürokratie. Deutlich wird dabei seine Haltung: Nicht Übertrittsquoten stehen für ihn im Mittelpunkt, sondern die individuelle Entwicklung jedes einzelnen Kindes – getragen von Humor, Herzensbildung und Werten wie Ehrlichkeit und Verlässlichkeit. Im Kern, so macht er klar, bleibt pädagogische Arbeit für ihn stets eines: die Arbeit am Kind – mit dem Kind – für das Kind.

FORUM

Kritische Analyse: Staatliche Macht, Überwachung und die Sprache der Verantwortung

Der Einsatz der U.S. Immigration and Customs Enforcement (ICE) in einer Kita in Chicago hat eine Debatte über staatliche Macht, Migration und Überwachung ausgelöst. In diesem Zusammenhang mahnt der dbb Beamtenbund und Tarifunion zu mehr sprachlicher Präzision: ICE-Agenten werden in deutschen Medien häufig als „Beamte“ bezeichnet, obwohl sie rechtlich nicht mit dem deutschen Beamtenstatus vergleichbar sind. Der dbb-Appell zeigt, wie stark Begriffe die Wahrnehmung staatlicher Autorität und Legitimität prägen. Gerade in sensiblen politischen Debatten ist eine differenzierte und korrekte Sprache daher zentral für einen sachlichen demokratischen Diskurs.

FORUM

Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung Regelwerke, Chancen und neue Cloud Modelle

Künstliche Intelligenz hält Einzug in die öffentliche Verwaltung – von Chatbots bis zu Datenanalysen. Doch wie lässt sich KI sicher, rechtskonform und transparent einsetzen, ohne Datenschutz oder Vertrauen zu gefährden? Eine aktuelle wissenschaftliche Analyse zeigt: Es braucht klare Regeln, einheitliche Leitlinien und institutionalisierte Strukturen – nicht nur Technik. Parallel arbeitet SAP an einer „souveränen KI Cloud“ in Deutschland, die Behörden und Bildungseinrichtungen sichere, kontrollierte KI-Dienste ermöglichen soll. Erfahren Sie, welche Chancen und Herausforderungen KI für Verwaltung, Bildung und Fachkräfte mit sich bringt.

FORUM

Wohnen wird zur Hürde für Bildung

Wohnen wird für Studierende in Deutschland immer teurer: Im Wintersemester 2025/26 zahlen sie im Schnitt erstmals über 500 Euro Miete – deutlich mehr als die BAföG-Wohnkostenpauschale. Besonders hart trifft es Städte wie Berlin, Hamburg oder München, während auch ostdeutsche Hochschulstandorte spürbare Preissteigerungen verzeichnen. Viele Studierende müssen inzwischen zwei Nebenjobs stemmen, um ihr Studium zu finanzieren, was Bildungsgerechtigkeit in Frage stellt. Immer häufiger entscheidet die Höhe der Miete über die Wahl von Studienort und Ausbildung.

FORUM

BR24 berichtet: ‚Auf dem Campus St. Michael entsteht Deutschlands erstes freitragendes Lehmhaus‘ (BR24, 18.11.2025)

Ein freitragendes Lehmgebäude in Traunstein setzt neue Maßstäbe für nachhaltige Architektur: Auf dem Campus St. Michael entsteht Deutschlands erstes freitragendes Lehmhaus – modern, ökologisch und voller sozialer Projekte. Auf 20 Millionen Euro und sieben Jahre Bauzeit verteilt, bietet das Gebäude Platz für Startups, ein Inklusionscafé, pädagogische Frühförderung und vieles mehr. Lehm sorgt dabei nicht nur für ein gesundes Raumklima, sondern verbindet Tradition, Innovation und Nachhaltigkeit auf einzigartige Weise. Der Campus wird so zu einem Ort, an dem Bildung, Gemeinschaft und ökologische Verantwortung zusammenkommen.

GLAUBE & REGLIGION

„Was bleibt?“

Rückkehr des Religiösen?

STANDESPOLITIK

Dienstliche Beurteilung in Bayern – Rechtsnatur und Einwendungen

Neuregelung im TVöD: Mehr Arbeitszeit nach Vereinbarung möglich

Personalratswahlen 2026 - Unsere Top-10-Kandidatinnen und Kandidaten für den Hauptpersonalrat

Ergebnisse der TV-L Verhandlungen

Beamtenbesoldung in Bayern verfassungsgemäß?

Einschränkung der familienpolitischen Teilzeit

KEG DEUTSCHLANDS

Symposium Frühkindliche Bildung Katholische Verbände am Start

Im Januar 2026 luden drei katholische Verbände – Familienbund der Katholiken, Katholische Erziehergemeinschaft (KEG) und Katholische Elternschaft Deutschlands (KED) – ins Katholisch-Soziale Institut zu einem Symposium über frühkindliche Bildung ein. Im Mittelpunkt standen die ganzheitliche Förderung von Kindern von Anfang an, die Bedingungen, unter denen sie aufwachsen, und die Kompetenzen, mit denen sie in die Schule starten. Expert:innen diskutierten rechtliche Rahmenbedingungen, die Gestaltung von Kitas und die Balance zwischen spielerischer Förderung und schulischer Vorbereitung. Besonders deutlich wurde: Das System der frühkindlichen Bildung steht unter enormem Druck, Familien und Kitas stoßen an ihre Grenzen, und es besteht dringender Handlungsbedarf – dem sich die Verbände weiterhin verpflichtet fühlen.

MEDIENTIPPS

Unsere Medientipps laden dazu ein, hinzuschauen und sich berühren zu lassen: Die Filme geben jungen Menschen eine Stimme, deren Lebenswege von Brüchen, Sehnsucht nach Zugehörigkeit und großer innerer Stärke geprägt sind. Die ausgewählten Bücher greifen diese Themen auf andere Weise auf – sie machen Mut, den eigenen Körper besser zu verstehen, dem Älterwerden gelassener zu begegnen und Kindern Räume für Glück, Bewegung und Selbstwirksamkeit zu eröffnen. Wer tiefer eintauchen möchte, findet alle Filme und Buchtipps mit weiteren Infos im ausführlichen Überblick.

UNTERRICHTSHILFEN

Unterrichtseinheit zum Film „Astrid Lindgren – Die Menschheit hat den Verstand verloren“

„Astrid Lindgren – Die Menschheit hat den Verstand verloren“ ist ein berührender Dokumentarfilm von Wilfried Hauke, der Lindgrens bisher unbekannte Kriegstagebücher (1939–1945) in den Mittelpunkt stellt. Die Doku kombiniert Gespräche mit Lindgrens Tochter, Enkelin und Urenkel mit szenischen Nachstellungen und bietet so einen intimen Einblick in das Leben einer jungen Frau, die im Zweiten Weltkrieg mit Schrecken, Zweifeln und moralischen Fragen ringt. Anders als klassische Porträts fokussiert der Film nicht auf literarischen Erfolg, sondern auf Lindgren als Chronistin einer Welt im Umbruch. Der provokante Titel richtet sich gegen menschliche Grausamkeit und lädt zugleich dazu ein, über Parallelen zur Gegenwart nachzudenken.

KOOPERATIONEN
Urban Sports Club Ihre Vorteile als KEG Mitglied

Als KEG-Mitglied erhalten Sie einen exklusiven Rabatt auf eine Mitgliedschaft bei Urban Sports Club. Mit nur einer Mitgliedschaft haben Sie deutschlandweit Zugang zu über 50 Sportarten. Der Check-in bei Partner-Standorten erfolgt einfach per QR-Code über die App, und Ihre Mitgliedschaft können Sie monatlich flexibel hoch- oder herunterstufen.

KEG BAYERN

Besuch bei Bischof Vorderholzer

Schulbesuch bei Markus Kosian

Mahnwache TV-L

Schulbesuch Bischof Müller Schule

Besuch Kita St. Bernhard

Abschied von Robert Winter

BEMERKENSWERTES AUS DER MEDIENWELT

Zusammengestellt von Martina Mattes