Bernd Uwe Althaus im InterviewMenschen der KEG

Dr. rer. nat. Bernd Uwe Althaus ist Staatssekretär und Amtschef im Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Nach seinem Start als Lehrer für Mathematik und Physik (1987–1990) leitete er bis 2005 eine Thüringer Regelschule. Es folgten Stationen als Direktor des Thüringer Landesinstituts (2005–2009) und als Leiter des Staatlichen Schulamts Nordthüringen (2009–2024). Seit dem 17. Dezember 2024 ist er Staatssekretär.
Neben seiner praktischen Bildungsarbeit promovierte er 1996 in Theoretischer Festkörperphysik und war von 2010 bis 2022 als Dozent im Masterstudiengang „Management von Bildungseinrichtungen“ an der MLU Halle tätig.
Dr. Althaus ist Gründungsmitglied des Verbands Christlicher Pädagogen und Erzieher in Thüringen, langjähriger Landesvorsitzender sowie ehemaliger Bundesvorsitzender der KEG. Seit 2020 ist er Ehren-Bundesvorsitzender.
Das liebe ich an meinem Beruf
Ich habe mich für den Lehrerberuf entschieden, weil ich hier meine Interessenlage für Naturwissenschaften damit verbinden kann, Wissen zu vermitteln und Schüler in ihren Lernprozessen zu begleiten.
Als Schulleiter und in weiteren Aufgaben in der Bildungsadministration konnte ich die systematische Entwicklung von Unterrichts- und Schulentwicklung sehr gut mit meiner systemischen Sicht auf das Bildungssystem verbinden.
Die verschiedenen Etappen in meinem Berufsleben und auch die Erfahrungswelt des Ehrenamtes bringen teils unterschiedliche aber auf jeden Fall wichtige Sichtweisen mit, die ich in meiner jetzigen Funktion aber immer wieder gut verwenden kann, um Entscheidungen zu treffen oder Schwerpunkte zu setzen.
Eine Begegnung mit einem Schüler, die Ihnen bis heute im Gedächtnis geblieben ist?
Ich bin im katholisch geprägten Eichsfeld zu Hause. Dort gibt es die traditionelle Palmsonntagsprozession. Im Jahr 1987, am Schultag danach kam ein Schüler im Schulflur auf mich zu, sagte leise zu mir: „Ich habe sie gestern bei der Prozession gesehen.“ Und ging weiter. Solche kleinen, aber wichtigen Zeichen aus dieser Zeit bleiben in meiner Erinnerung.
Mit der KEG verbinde ich
Die KEG stellt für mich ein Wertefundament und eine Gemeinschaft dar. Es ist mir wichtig aus dem christlichen Glauben heraus den Menschen zu sehen. Dies sehe ich in der KEG als gegeben.
Mein Geheimtipp für den Arbeitsalltag ist…
Wir müssen uns jeden Tag bewusst sein, dass er einmalig und die schulische Lernzeit unserer Schülerinnen und Schüler sehr begrenzt ist.
Mit der KEG verbinde ich…
Meine Bereitschaft, mit der friedlichen Revolution im Jahr 1989 engagiert als Pädagoge mit christlicher Weltanschauung für meine und unsere Interessen in einem Verband zu wirken. Wir haben aus einer kleinen Gruppe am 4. Februar 1990 den Christlichen Lehrerverband gegründet, gerade in den 90er Jahren war es eine sehr engagierte Verbandsarbeit auf dem Weg, in der demokratischen Grundordnung unsere Verbandsarbeit aufzubauen. Nachdem unser Verband Landesverband seinen Weg in die KEG Deutschlands fand, wurde ich 2000 zum ersten Mal zum Bundesvorsitzenden gewählt. Nach der berufsbedingten Auszeit von 2004 bis 2008 folgten dann drei weitere Wahlperioden bis ich im Jahr 2020 nicht mehr als Bundesvorsitzender antrat. Gerade in unserem Verband empfand ich immer die große Breite unseres Engagements, als christlicher Verband und als gewerkschaftliche Interessenvertretung als interessant und sehr spannend.
Welche Werte möchten Sie Ihren Schülerinnen und Schülern mitgeben – unabhängig vom Lehrplan?
Ich möchte zunächst die Werte unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung nennen, deren Akzeptanz im Spektrum unserer Gesellschaft teilweise durchaus in Frage gestellt werden. Auf dieser Basis ist mir wichtig, dass sich Schüler, Gruppen und Klassen mit Werten auseinandersetzen, ihren Bezug finden und ihr Wertegefüge. Gerade in unserer heutigen Gesellschaft in ihrer Vielschichtigkeit ist mir diese Auseinandersetzung mit Werten in ihrer Unterschiedlichkeit und deren Interpretation ein wichtiges Anliegen. Davon leitet sich dann ab, wie ich damit umgehe, wenn ich als Mensch angefragt bin, wenn ich mich positionieren muss und für meine Werte eintreten.
Für meinen Berufsalltag brauche ich….
Mit Blick auf meine jetzige Tätigkeit brauche ich gute inhaltliche Zuarbeiten und die Möglichkeit, wenigstens jeweils etwas Zeit zum „Umschalten“ zwischen den vielgestaltigen Themen zu haben.
Besonders gerne arbeite ich mit ...
…engagierten Menschen.
Das mache ich, um mich zu entspannen
Gemeinsam mit meiner Partnerin bin ich gern in der Natur unterwegs, im nahegelegenen Harz oder in benachbarten Urlaubsländern. Zugegebenermaßen kann ich auch auf meinem Motorrad bei einer Runde auf kurvenreichen Strecken in Thüringen oder im Harz gut entspannen.
Das kann ich Berufseinsteigern empfehlen
Dies natürlich mit Blick auf die Tätigkeit als Lehrkraft: Bereiten Sie sich gründlich auf ihren Unterricht vor, seien Sie authentisch und nah bei ihren Schülern. Jede Unterrichtsstunde ist einmalig. Suchen Sie den Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen uns sprechen Sie mit ihnen über ihre Erfahrungen und die Herausforderungen, das Gute und die Schwierigkeiten.
Was bleibt trotz aller Reformen, Digitalisierung und Umbrüche unverzichtbar?
Das Wichtigste sind die Haltungen der Lehrkräfte, weil diese jeden Tag und in jeder Stunde wirkt, in jeder Konferenz und bei jedem Gespräch. Viele gute digitale Tools können uns im Alltag helfen, die Befunde aus wissenschaftlichen Erhebungen und Studien können uns gut unterstützen, gute und wirksame Bildungsarbeit zu leisten, letztendlich kommt es aber auf die Lehrkräfte und das Team, das Miteinander in der konkreten Schulgemeinschaft an.
Wann spüren Sie: Ihre Arbeit macht einen Unterschied?
Wieder mit Bezug auf meine derzeitige Aufgabe: bei Schulbesuchen, für die leider im Alltag zu wenig Zeit bleibt. In den Gesprächen mit Schülern und Lehrkräften, mit Schulleitern und in anderen Gesprächsrunden spüre ich den Unterschied in der Wahrnehmung aber auch in den Erwartungen an unsere Arbeit. Der Thüringer Bildungsminister und ich sind beide „gelernte Lehrer“. Das spiegeln uns die Praktiker sehr stark wider, dass sie das sehr positiv wahrnehmen.
Was wünschen Sie sich, dass in der Bildungspolitik „bleibt“ – und was sollte sich dringend ändern?
Bildungspolitik sollte möglichst lange Linien realisieren, Entwicklungen ermöglichen, aber auch die Verantwortung wahrnehmen, den Rahmen zu setzen und Verantwortung einzufordern. Ich halte es für sehr wichtig, dass Schulen dieser gute Rahmen gegeben wird, in dem sie ein hohes Maß an Eigenverantwortung ausgestalten können.
In einem Satz: Was bleibt für Sie im Kern pädagogischer Arbeit?
Schülerinnen und Schüler dabei zu unterstützen, ihren Weg in einer lernenden Gemeinschaft zu finden. Dabei ist wichtig, sich immer wieder selbst zu hinterfragen und seine Arbeit auf einem soliden eigenen Wertegefüge auszurichten, um den aktuellen Herausforderungen gerecht zu werden.