Interview mit Robert GabrielMenschen der KEG

Robert Gabriel ist Grundschulrektor, seit vielen Jahren pädagogisch und kirchlich engagiert und seit 1990 Mitglied in der KEG.
Nach seinem Lehramtsstudium in Passau unterrichtete er an der Grundschule Viechtach, war dort Fachberater für Musik und Konrektor, bevor er 2009 Rektor in Johanniskirchen wurde. Seit 2011 leitet er die Grundschule Hebertsfelden.
Neben dem Beruf prägen Fußball und Musik sein Leben: Früher aktiv beim SSV Eggenfelden und in der Band „Stringless“, komponierte er einen eigenen Grundschulsong und tritt seit 2015 mit seiner Ehefrau als Duo „Oans & Oans“ auf. 2025 begleitete er die KEG-Weihnachtsandacht in Abensberg mit Pfarrer Schießler.
Das liebe ich an meinem Beruf …
Die Arbeit mit Kindern macht einfach Spaß, ist abwechslungsreich, auch die Arbeit mit und in einem tollen Lehrer-Team.
Eine Begegnung mit einem Schüler, die Ihnen bis heute im Gedächtnis geblieben ist?
Ein ehemaliger Schüler aus Viechtach ist als U19-Spieler von 1860 München nach Eggenfelden zu einem Fußballspiel gekommen, stieg aus dem Vereinsbus und kam auf mich zu: Er hat mich nach so vielen Jahren noch erkannt und angesprochen.
Was hat sich in den letzten Jahren im Schulalltag am stärksten verändert?
Die Digitalisierung hat die Schullandschaft v.a. nach der Corona-Pandemie stark verändert. Die Kinder sind im privaten Bereich mit vielen Bildschirmmedien konfrontiert, und dies mehrere Stunden am Tag. Das zieht sich auch in den Schulalltag, denn die Folgen davon sind nicht zu übersehen, z.B. zunehmender Mangel an Feinmotorik, gestiegene Ungeduld und Zappeligkeit. Auch die Bürokratisierung hat stets zugenommen.
Mein Geheimtipp für den Arbeitsalltag ist…
Ruhe bewahren, Gelassenheit, „eine Nacht drüber schlafen …“
Mit der KEG verbinde ich…
… einen Lehrerverband, der sehr familiär und werteorientiert ist. Ich erinnere mich gerne an viele Aktivitäten, Wanderungen, Besichtigungen und Treffen mit guten Gesprächen und gegenseitigem Austausch. Bei Schwierigkeiten im schulischen Bereich habe ich von seitens der KEG schon öfter Hilfe bekommen. Das tut nicht nur gut, es ist auch beruhigend, dies zu wissen.
Was bleibt für Sie am Ende eines Schultages wirklich wichtig?
Mir ist wichtig, das Kind in seiner Entwicklung zu sehen, zu fördern aber auch zu fordern. Es ist mir als Schulleiter nicht wichtig, wie viele Kinder aufs Gymnasium gehen – viel wichtiger ist mir, dass sie auf der Schule, auf der sie gut aufgehoben sind, auch ihren Weg machen und diesen gut meistern. Ich möchte die Kinder auf ihr weiteres Leben vorbereiten. Dabei ist Humor für mich ganz wichtig: Ich versuche mit den Kindern zusammen mindestens einmal am Tag richtig zu lachen. Ja, es darf ruhig auch mal ein Witz im Unterricht erzählt werden. Das lockert auf und entspannt.
Welche Werte möchten Sie Ihren Schülerinnen und Schülern mitgeben – unabhängig vom Lehrplan?
Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Humor, gegenseitige Wertschätzung und Unterstützung sowie Hilfsbereitschaft.
Für meinen Berufsalltag brauche ich….
… ein gutes Team im Kollegium und eine gute Zusammenarbeit in der Schulfamilie. Natürlich braucht man in so manch schwierigen Situationen oder Gesprächen auch eine gewisse Gelassenheit und Ruhe.
Mir helfen auch die Instrumente in meinem Klassenzimmer: Ich greife zwischendrin gerne mal zum Klavier, Akkordeon oder zur Gitarre um den Unterricht aufzulockern. So können sich meine Schülerinnen und Schüler zur Musik bewegen und singen.
Besonders gerne arbeite ich mit ...
… Musikinstrumenten
Das mache ich, um mich zu entspannen …
… Musik machen und Musik hören, joggen (wenn ich dazu komme!) oder zumindest Spaziergänge in der Natur. Wichtig ist, dass man von der Schule auch abschalten kann und sich bewusst Freiräume schafft.
Das kann ich Berufseinsteigern empfehlen
Auch bei schwierigen Situationen nicht unterkriegen lassen, oftmals „eine Nacht drüber schlafen“ und das Problem nicht sofort lösen zu meinen. Sich immer wieder die schönen Seiten des Lehrberufs vorzuhalten und positiv eingestellt zu bleiben. Und natürlich ein Instrument zu spielen – damit kann man den Schulalltag auflockern, es macht selber Spaß und das überträgt sich auch auf die Kinder.
Was bleibt trotz aller Reformen, Digitalisierung und Umbrüche unverzichtbar?
Wir dürfen in der Schule unsere Hauptaufgabe, den Kindern schreiben, lesen und rechnen beizubringen, nie aus den Augen verlieren. Dazu gehören u.a. die Handschrift und das Kopfrechnen. Auch die Wertevermittlung wird in meinen Augen immer wichtiger.
Was wünschen Sie sich, dass in der Bildungspolitik „bleibt“ – und was sollte sich dringend ändern?
Die Arbeit im Lehrerteam macht Spaß, man ergänzt und bereichert sich. Man erhält immer wieder neue Ideen – diese Zusammenarbeit möchte ich nicht missen.
Was sich dringend ändern muss sind die gestiegenen Anforderungen: Wir bekommen immer mehr zusätzliche Aufgaben, ohne weitere zeitliche Ressourcen. Hier brauchen wir viel mehr Unterstützung, z.B. durch mehr Lehrkräfte oder Förderlehrkräfte und kleinere Klassen, v.a. wenn herausfordernde Schülerinnen und Schüler darin sind. Ich denke auch, dass der Lehrplan mit den vielen neuen Anforderungen, nicht nur durch Digitalisierung, der Verfassungsviertelstunde als Werteerziehung, „Voll in Form im Schulalltag“ usw. neu überdacht werden sollte.
In einem Satz: Was bleibt für Sie im Kern pädagogischer Arbeit?
Die Arbeit am Kind – mit dem Kind – für das Kind!