Markus Kosian im Interview Menschen der KEG
Markus Kosian ist Diplom-Handelslehrer mit dem Zweitfach katholische Religion und verbindet in seinem beruflichen Wirken wirtschaftliche Bildung mit ethischen und religiösen Fragestellungen. Geboren in Coburg, legte er am Arnold-Gymnasium in Neustadt bei Coburg sein Abitur ab und absolvierte anschließend zunächst den Grundwehrdienst. Danach entschied er sich für eine praktische Ausbildung und ließ sich bei der Commerzbank in Bamberg zum Bankkaufmann ausbilden. Im Anschluss daran schlug er den Weg in den Schuldienst ein und studierte Wirtschaftspädagogik mit Zweitfach katholische Theologie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Nach dem erfolgreichen Abschluss folgte das Referendariat an Berufsschulen in Bamberg und Wunsiedel. Seitdem ist er als Lehrer für Wirtschaftsfächer und katholische Religion an einem kaufmännischen Berufsschulzentrum in München tätig.
Seine Motivation für den Lehrerberuf speist sich vor allem aus der Freude an der Arbeit mit jungen Menschen. Besonders wichtig ist ihm, Unterricht nicht nur fachlich fundiert, sondern auch kreativ zu gestalten und dabei über reine Wissensvermittlung hinauszugehen. Er möchte seinen Schülerinnen und Schülern Raum geben, sich mit grundlegenden Lebensfragen auseinanderzusetzen und eigene Perspektiven zu entwickeln. Der Weg zur KEG Bayern ergab sich für ihn durch den persönlichen Austausch mit Martin Goppel, der ihn davon überzeugte, dass dieser Verband den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Seit seinem Eintritt engagiert er sich dort mit großer Überzeugung und schätzt insbesondere die familiäre Atmosphäre sowie die kurzen Entscheidungswege. Darüber hinaus vertritt er die KEG Bayern im Wertebündnis Bayern, wo er im Sprecherrat Verantwortung für den Bereich Religion übernommen hat.
Das liebe ich an meinem Beruf ...
Junge Menschen zu inspirieren und von ihnen inspiriert zu werden.
Eine Begegnung mit einem Schüler, die Ihnen bis heute im Gedächtnis geblieben ist?
Oh, da gab es über die Jahre viele Begegnungen, die mich berührt haben. Es sind vor allem immer wieder die Situationen, in denen mir Schülerinnen und Schüler mitteilen, dass sie durch meinen Unterricht zum Stellen von existenziellen Fragen und zum Perspektivwechsel angeregt wurden. Aktuell kam an der Berufsschule für Fachinformatik der Schüler Titus auf mich zu und bedankte sich für die Unterrichtszeit und teilte mit: „Ich denke zum ersten Mal in meinem Leben über meine Werte nach. Und auch darüber, ob Gott für mich eine Rolle spielt. Ich habe mich immer als nicht gläubigen Menschen gesehen und da bin ich mir nicht mehr so sicher.“
Auch inspiriert es mich, wenn Schülerinnen und Schüler ihre Kreativität einbringen. Als im Schuljahr 2016/17 die Schüler Franz und Tobi an der Berufsschule für Veranstaltungstechnik mir nach dem Besuch der von mir konzipierten Wanderausstellung „Was Promis glauben“ mitteilten, dass das Ganze ja interessant, aber doch „langweilig“ gestaltet sei, fragte ich sie, wie man das besser machen kann. Das Ergebnis sind modern gestaltete Ausstellungsexponate durch Tobi und die Entwicklung einer Grundstruktur für eine Homepage durch Franz. Anschließend bildete sich ein Team aus Schülern, Lehrern und Mitglieder meiner Pfarrgemeinde und gründete den gemeinnützigen PromisGlauben e.V. (https://promisglauben.de/ueber-uns/das-team/ ).
Am 1. Dezember 2017 gingen wir mit der Homepage www.promisglauben.de online und haben bis heute über 1.500 prominente Persönlichkeiten berichtet. Zudem führen wir auch eigene Interviews, die auf unserem YouTube-Kanal zu sehen sind.
Zu den Videos gestalten wir Unterrichtseinheiten, die im digitalen Lernraum „Biographisches Lernen mit PromisGlauben“ auf der Lernplattform des EOM verfügbar sind (Mehr dazu gibt’s unter folgendem Link: https://promisglauben.de/die-ausstellung/bildung/digitaler-lernraum/ ).
Aber auch die Kreativität von Schülern in der Unterrichtsarbeit berührt mich. Zu einem Arbeitsauftrag zu unserem aktuellen Interview mit der Freestyle-Athletin Emma Weiß zeichnete der Schüler Nikita ein Bild der Athletin und teilte mit, dass ihn die Auseinandersetzung mit den Aussagen der Athletin dazu inspiriert hat.
Was hat sich in den letzten Jahren im Schulalltag am stärksten verändert?
Ich stelle in meinem Arbeitsumfeld eine Diskrepanz zwischen dem Bewusstsein der Relevanz des Empfindens einer Verantwortung vor Gott und der tatsächlich empfundenen Verantwortung vor Gott fest. Viel mehr Schülerinnen und Schüler fragen mit seit Jahren steigender Tendenz konkret nach Gott. Diese Relevanz wird aber im Schulalltag zu wenig wahrgenommen. Dabei ist die Wirkung mit Blick auf die höchsten Bildungsziele immens. Um es mit den Worten des Astrophysikers Harald Lesch zu sagen, der am Ende seiner TerraX-Sendung „Die großen Fragen – Gibt es Gott?“ resümierte: „Wir können uns entscheiden, so zu leben, als ob es Gott gäbe oder eben nicht. Aber die Wirkung könnte ja gewaltig sein. Wenn ich daran denke, die Schöpfung zu bewahren, da ist doch der religiöse Ansatz viel wirkungsvoller als zu sagen: Das Ganze ist nur eine zufällige Fluktuation des Quantenvakuums.“
Siehe hier: https://www.youtube.com/watch?v=3t0Woaat9RU&t=2579s
Mit Blick auf die Rahmenbedingungen des Lehrerberufs ist der Aufwand für Verwaltungstätigkeiten gestiegen.
Mein Geheimtipp für den Arbeitsalltag ist…
Mensch sein und Mensch bleiben. Dahingehend gibt mir die Bibelstelle Lk 6,36-38 eine gute Orientierung.
Mit der KEG verbinde ich…
Einen Verband mit Herzenshaltung, starkem Fundament und klarer Orientierung.
Was bleibt für Sie am Ende eines Schultages wirklich wichtig?
Authentizität
Für meinen Berufsalltag brauche ich….
Den Rückenwind durch meinen Glauben und meine Familie
Besonders gerne arbeite ich mit ...
Herz und Verstand!
Das mache ich, um mich zu entspannen
Den Sonntag freihalten; Zeit mit der Familie genießen; Musik hören; Konzerte besuchen; Schwimmen gehen; im Gebet und im Gottesdienst zur Ruhe finden
Das kann ich Berufseinsteigern empfehlen
„Sei du selbst!“ Und bedenke: „Es wird nicht alles so heiß gegessen wie es gekocht wird!“
Was bleibt trotz aller Reformen, Digitalisierung und Umbrüche unverzichtbar?
Die Mitmenschlichkeit und alle damit verbundenen Werte!
Wann spüren Sie: Ihre Arbeit macht einen Unterschied?
Um es mit den Worten von Jürgen Klopp zu sagen „Mein Glaube gibt mir die nötige Lockerheit, um mit einem Lächeln durchs Leben zu gehen!“ Im oft herausfordernden Schulalltag ist das ein Input, den ich einbringe und der hoffentlich in die Schule hineinstrahlt.
Was wünschen Sie sich, dass in der Bildungspolitik „bleibt“ – und was sollte sich dringend ändern?
Der chinesische Top-Unternehmer Jack Ma sagte 2018 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos auf die Frage, welche „Skills“ Schulen vermitteln sollten, damit junge Menschen im Zeitalter von KI eine Chance haben: „Values, Believing, Independent Thinking, Teamwork, Care for others!“
Ganz in diesem Sinne wünsche ich mir, dass der Religionsunterricht die Wertschätzung bekommt, die ihm gebührt
In einem Satz: Was bleibt für Sie im Kern pädagogischer Arbeit?
Der Dienst am Menschen und die Vermittlung der Bildungsziele, wie sie im Artikel 131 der Bayerischen Verfassung genannt sind.