STANDESPOLITIK

„telli“ – Der KI-Chatbot als neuer Baustein digitaler Schulentwicklung

Mit „telli“ steht Schulen in Deutschland seit 2025 ein KI-gestützter Chatbot zur Verfügung, der gezielt für den Bildungsbereich entwickelt wurde. Anders als frei zugängliche KI-Systeme verfolgt telli einen klaren Anspruch: Er soll Unterricht unterstützen, Lehrkräfte entlasten und gleichzeitig einen datenschutzkonformen Zugang zu Künstlicher Intelligenz ermöglichen.

Ein Chatbot speziell für Schule entwickelt

„telli“ ist Teil eines länderübergreifenden Projekts, an dem alle 16 Bundesländer beteiligt sind. Entwickelt wird das System vom Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU) im Rahmen des DigitalPakt Schule. 

Im Unterschied zu allgemeinen KI-Tools wurde telli von Beginn an auf schulische Anforderungen ausgerichtet. Die Anwendung richtet sich sowohl an Lehrkräfte als auch an Schülerinnen und Schüler und ist browserbasiert ohne zusätzliche Installation nutzbar. 

Ziel ist es, einen niedrigschwelligen, sicheren und pädagogisch sinnvollen Zugang zu KI zu schaffen – eingebettet in bestehende Schulplattformen wie etwa die BayernCloud Schule.

Unterstützung für Lehrkräfte im Schulalltag

Ein zentraler Einsatzbereich von telli liegt in der Unterrichtsvorbereitung. Lehrkräfte können mithilfe des Chatbots Materialien wie Arbeitsblätter, Quizfragen oder Erklärtexte generieren und an unterschiedliche Lernniveaus anpassen. 

Darüber hinaus hilft das System bei organisatorischen Aufgaben und eröffnet neue Möglichkeiten zur Differenzierung im Unterricht. Erste Rückmeldungen aus Pilotprojekten zeigen, dass telli insbesondere als Assistenzsystem zur Entlastung im Arbeitsalltag wahrgenommen wird. 

Gleichzeitig ist das System bewusst als „lernendes Projekt“ angelegt: Es wird schrittweise erweitert und auf Basis von Nutzerfeedback kontinuierlich verbessert. 

KI als Lerngegenstand für Schülerinnen und Schüler

Neben der Unterstützung von Lehrkräften dient telli auch als Werkzeug für den Unterricht selbst. Schülerinnen und Schüler können mit der KI in geführten Dialogen arbeiten, Aufgaben lösen oder in simulierten Szenarien lernen – etwa durch Rollenspiele mit historischen Figuren oder als Schreib-Coach im Deutschunterricht. 

Dabei steht nicht nur die Nutzung im Vordergrund, sondern auch die Reflexion: Der Umgang mit KI soll als grundlegende Zukunftskompetenz vermittelt werden.

Datenschutz und Kontrolle als zentrale Prinzipien

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal von telli ist der Fokus auf Datenschutz. Das System wird DSGVO-konform betrieben, nutzt europäische Server und ist so konzipiert, dass keine sensiblen Nutzerdaten für Trainingszwecke weitergegeben werden. 

Lehrkräfte behalten zudem die Kontrolle über die Nutzung im Unterricht. Sie können Zugänge steuern, Lernszenarien vorgeben und den Einsatz an Alter und Lernstand der Schülerinnen und Schüler anpassen. 

Flächendeckende Einführung und bildungspolitische Bedeutung

Seit Ende 2025 wird telli schrittweise in mehreren Bundesländern eingeführt, darunter Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Ziel ist eine flächendeckende Bereitstellung für alle Schularten. 

Bildungspolitisch markiert das Projekt einen wichtigen Schritt: Erstmals stellen die Bundesländer gemeinsam eine eigene, kontrollierte KI-Infrastruktur für Schulen bereit. Damit soll verhindert werden, dass Lehrkräfte und Lernende auf kommerzielle, datenschutzrechtlich problematische Angebote ausweichen müssen.

Zwischen Innovation und pädagogischer Verantwortung

Trotz der großen Potenziale bleibt der Einsatz von KI im Unterricht eine pädagogische Herausforderung. Der Mehrwert von telli hängt maßgeblich davon ab, wie gezielt und reflektiert er eingesetzt wird.

Der Chatbot kann Unterricht bereichern, individuelle Förderung unterstützen und neue Lernformen ermöglichen – er ersetzt jedoch nicht die professionelle pädagogische Arbeit von Lehrkräften. Vielmehr wird deutlich: KI ist ein Werkzeug, dessen Qualität sich erst im didaktischen Kontext entfaltet.

Mit telli entsteht ein eigenständiger, staatlich getragener Ansatz für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Bildungssystem. Der Chatbot verbindet technische Innovation mit rechtlicher Sicherheit und pädagogischer Steuerbarkeit.

Ob und wie stark er den Schulalltag langfristig prägen wird, hängt von seiner Weiterentwicklung – und vor allem von seiner klugen Integration in Unterricht und Schulentwicklung – ab.

Quellen:

  • telli.schule – Der KI-Chatbot für die Schule (telli.schule)
  • Schulministerium NRW – KI-Chatbot „telli“ (Bildungsportal NRW)
  • ByCS Bayern – telli – der KI-Chatbot für Schulen (ByCS)
  • Baden-Württemberg – KI-Chatbot für Schulen geht an den Start (Baden-Württemberg.de)
  • Wikipedia – Telli (KI-Chatbot) (Wikipedia)
  • Medienberichte zur Einführung und Nutzung (u. a. WELT) (DIE WELT)