FORUM

Starke Lehrkräfte – starke LernräumeSoziale, emotionale und diversitätsbezogene Kompetenzen von Lehrkräften stärken: Erkenntnisse aus dem „Hand in Hand“-Projekt Europe

Der Schulalltag stellt Lehrkräfte vor große Herausforderungen: Klassen werden vielfältiger, die Anforderungen an Flexibilität, Empathie und Belastbarkeit steigen.

Das europäische „Hand in Hand“-Projekt zeigt eindrucksvoll, dass gezielte Trainings sozialer, emotionaler und durch Vielfalt geprägte Kompetenzen (kurz: SEDA) Lehrpersonen dabei unterstützen können, diesen komplexen Alltag gelassener und resilienter zu meistern – und dabei sogar ihr eigenes Wohlbefinden zu stärken. Teilnehmende des Projekts (Laufzeit: 02/2021 – 02/2024) waren Lehrkräfte der Primar- und Sekundarstufe, Schulleitungen und weitere schulische Akteure in sieben europäischen Ländern (Deutschland, Österreich, Kroatien, Schweden, Slowenien, Dänemark und Portugal). Verantwortlich für das Projekt zeichnete sich ein europaweites Konsortium von elf Partnern und 13 assoziierten Partnern sowie wissenschaftliche Begleitung aus der Forschung. Das Programm wurde im Rahmen von Erasmus+ und "Support for Policy Reform" gefördert und setzt auf innovative und kontinuierliche Unterstützungsangebote, darunter Train-the-Trainers-Kurse und Supervision.

Die Trainingsmodule des Projekts kombinieren Theorie und Praxis und behandeln zentrale Themen wie:

  • Selbstfürsorge und Stressmanagement

  • Klassenführung und Beziehungsmanagement

  • Umgang mit Vielfalt und interkulturelle Sensibilität

  • Emotionale Regulation und Selbstreflexion

Die Wirksamkeit wurde in einer quasi-experimentellen Vorher-Nachher-Studie überprüft – mit überzeugenden Ergebnissen: Lehrkräfte berichteten von spürbar höherem Wohlbefinden, stärkerer Selbstreflexion und einer größeren Offenheit für unterschiedliche Perspektiven im Unterricht.

Eine begleitende Masterarbeit der Universität Graz (https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/content/titleinfo/11549001/full.pdf) untersucht, wie SEDA-Programme im österreichischen Schulkontext wirken – mit besonderem Fokus auf Praxisnähe und Nachhaltigkeit.

Die zentralen Erkenntnisse:

  • Zwischen der Teilnahme an SEDA-Trainings und der wahrgenommenen Unterrichtsqualität besteht eine deutliche positive Verbindung.

  • Lehrkräfte, die ihre sozialen und emotionalen Kompetenzen gezielt fördern, erleben weniger Stress und mehr berufliche Zufriedenheit.

  • Kollegiale Beratung und kontinuierliche Begleitung sind entscheidende Faktoren, damit die neu erlernten Kompetenzen langfristig im Schulalltag verankert bleiben.

Die Ergebnisse des HAND IN HAND-Projekts und der Masterarbeit sprechen eine klare Sprache: Die Förderung von sozialen, emotionalen und diversitätsbezogenen Kompetenzen stärkt nicht nur das Wohlbefinden von Lehrkräften, sondern verbessert auch nachhaltig das Lernklima und die Beziehungsqualität in Schulen. Es wäre daher eine Überlegung wert, SEDA-Kompetenzen als festen Bestandteil der Lehrerausbildung und der schulischen Personalentwicklung zu integrieren. Denn: Starke Lehrkräfte schaffen starke Lernräume.

 

Quellen:
https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/content/titleinfo/11549001/full.pdf

https:///handinhand.si/en/home2/

HAND IN HAND – Förderung von Lehrer*innen im Umgang mit sozialen, emotionalen und durch Vielfalt geprägten beruflichen Herausforderungen — DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation

https://school-education.ec.europa.eu/en/teach/teaching-materials/hand-hand-empowering-teachers-across-europe

https://fzib.at/de/unsere-forschung/aktuelle-projekte/weitere-aktuelle-projekte/detailinformationen-hand-in-hand/